Schmiede

Typisches Schmiede-Panorama. Photo: Der Autor.
Typisches Schmiede-Panorama. Photo: Der Autor.

Der alljährliche „Spielplatz für Ideen“ in Hallein, Österreich ist ein wunderbares Un-Festival: 10 Tage in einer alten Salz-Saline mit knapp 200 Leuten tun und machen: Teppiche, Musik, Software, Schokolade, Fotografie, DosenBierpressen, Installationen, Chöre, Tanz, Lego1. Einen Abend2 lang ist’s offen für die Öffentlichkeit, und dann ist an allen Ecken und Enden des verwinkelten Gebäudes das Ergebnis beschaubar, aber um Publikum geht es nicht: Die Schmiede feiert den Prozess. Ich habe zwei meiner Lieblingsprojekte3 dort gestartet, und vor allem: jedes Jahr neue fantastische Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen.

Die Frist für die Bewerbung endet am 31.5., und ich lege euch wirklich an‘s Herz, euch zu bewerben.

Vertigo

Irgendwo zwischen James Blake und Bon Iver spielt das Debüt-Album des Jungen Iren. Also: Electronica, Falsett, RnB, Schrammen-Gitarren, Beats, Verletzlichkeit. Nicht immer ein erfolgreicher Mix, viele Stücke sind wenig mehr als ziellose Ideensammlung. Aber Stimme und Ambition ist vorhanden: da ist noch jede Menge Luft.

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This Is America

Der Musiker, Autor, Schauspieler und Comedian Donald Glover war gerade in Amerikas größter Comedy-Sendung „Saturday Night Life“ zu Gast, und ist demnächst als Lando Calrissian im neuen Star Wars-Streifen „Solo“ zu sehen — massenkompatibler geht nicht.

Fantastisch, dass er diese popkulturelle Steilvorlage für ein verstörend-brillantes neues Musikvideo nutzt.

„Southern Reach“ Trilogie

„Annihilation“, „Authority“ und „Acceptance“ sind drei Bücher1 des amerikanischen „Weird Fiction“2-Autors Jeff Vandermeer, die ich (jawoll!) verschlungen habe.

Worum geht´s? Ein verschlafener Küstenstreifen findet sich plötzlich hinter einer unsichtbaren „Grenze“ wieder, und eine Expedition wird losgeschickt, um rätselhaften Naturphänomenen auf den Grund zu gehen.

An eine Entschlüsselung des Phänomens ist aber auch im Laufe von drei (!) Psycho-Thriller-Öko-Horror-Büchern nicht zu denken, es stellt sich mehr ein Gefühl als eine Erkenntnis ein. Und Spannung. Und vieles sehr sehr seltsames.


  1. Und gerade übrigens auch verfilmt von Alex Garland („Ex Machina“). Rezension folgt. 
  2. „[…] presenting a dark mystery beyond our ken and engaging the subconscious. Just as in real life, things don’t always quite add up, the narrative isn’t quite what we expected.“ – The Uncanny Power of Weird Fiction – The Atlantic 

Cocoa Sugar

Die Young Fathers haben mit mittlerweile 3 Alben1 eine ganz eigene musikalische Nische besetzt: Mitternachts-Soul zu muskulösen Beats, Gospel aus dem Rave-Keller, düster, aber ekstatisch. „Cocoa Sugar“ hat alle diese Qualitäten, ist in seiner rauen Spontanität zwar nicht ganz so rund wie die Vorgänger, aber ach: es brodelt wieder so schön. Fantastisches Cover auch.

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  1. Meine Rezension von „Dead“ 

Last Exit Echo

Der Echo, das ist: Etwas kann noch so unappetitlich1, dumm, künstlerisch bankrott und moralisch fragwürdig sein — wenn es sich verkauft, muss es hofiert und öffentlich beklatscht werden.

Der Echo, das war. Gottseidank2.


  1. Ich schrieb bereits einmal über den Echo: Ich wollte über den Echo 2015 schreiben, aber mir kam ein Oonagh dazwischen – Onkel Floris endgültige Meinung 
  2. Für einen Hinweis, wie ein Musikpreis funktionieren kann: Siehe Die durch die Bank fantastischen Gewinner*innen des britischen Mercury Prize

GAGA: 5 foot 2

Lady Gaga ist die neue Madonna, ob wir wollen oder nicht. Als solche muss irgendwann ein enthüllendes Selbst-Portrait in Film-Form her, ob wir nun wollen oder nicht.

Was erfahren wir also in dieser Dokumentation? Lady Gaga ist eine Vollblut-Musikerin, sie schreibt, singt und orchestriert den Kosmos Gaga.

Aber auch: Lady Gaga liebt Mode. Lady Gaga herzt ihre Familie. Lady Gaga hat Krisen. Lady Gaga besitzt Brüste, die sie ab und an nonchalant in die Kamera hält. Lady Gaga wird krank. Lady Gaga befürchtet unter Tränen in einer (von ihr in Auftrag gegebenen) Dokumentation, dass sie weinerlich erscheint.

Stefani Joanne Angelina Germanotta ist eine verdammt gute neue Madonna, und die alte1 hat auch noch keinen sehenswerten Film produziert.

Gleichstand.

Gaga: Five Foot Two auf IMDb / Gaga: Five Foot bei Netflix gucken


  1. im Sinne von „Vorgängerin“. 

2012-2017

Wie viele House-Platten braucht der Mensch? Eine Handvoll hand-gepickte tun jedem Haushalt gut, etwa diese hier, die Elektronik-Tausendsassa Nicolas Jaar1 unter dem Namen „Against all Logic“ veröffentlicht hat: Soul-samplige Tanzflur-Tauglichkeit mit genug Ideen und Abwechslung, so dass auch die Couch keine Ödnis reklamiert.

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  1. Dringend ans Herz gelegt seien hier Jaars vorherige, deutlich eklektischere Veröffentlichungen „space is only noise“ (2011) und „Sirens“ (2016) 

The Cloverfield Paradox

Ein Mechaniker auf einer Raumstation, welche die letzte Rettung der Menschheit darstellt, verliert in einer bizarren Horror-Szene einen Arm, und verbringt den Rest des Filmes damit, darüber Witze zu reißen.

Die Heldin entscheidet sich zur Teilnahme an einer Himmelfahrts-Mission, weil ihr Partner “so süß ist”.

Charaktere lautsprechen wiederholt den Titel des Filmes, vor dessen Effekt ein Wissenschaftler per unbeholfener Video-Einblendung gewarnt hat.

“The Cloverfield Paradox” ist mit Abstand der dümmste Eintrag in der Cloverfield-Reihe, aber wie das Hipster-Blair-Witch-Project “Cloverfield” (2008) und der Bunker-Thriller “10 Cloverfield Lane” (2016) auch verdammt unterhaltsam1.

The Cloverfield Paradox bei Netflix anschauen


  1. Wenn ihr einen davon guckt, dann aber bitte “10 Cloverfield Lane” – ähnlich
    klaustrophobisch, aber mit einem Drehbuch, das den Namen verdient und: John Goodman.