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Angesichts des grandiosen Tohuwabohus im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf lohnt sich ein Blick zurück: 2012, Barrack Obama gegen Mitt Romney.

Greg Whiteleys Film will kein Debattenbeitrag sein: Das politische Profil, die Inhalte des Kandidaten Romney und Kontrahenten Obama spielen kaum eine Rolle, stattdessen konzentriert er sich auf ein intimes Portrait einer Familie im Wahnsinn Wahlkampf.

Deadpool

Deadpool

„Deadpool“ ist der erste hochbudgetierte Superhelden-Film mit dem US-amerikanischen R-Rating 1– eigentlich Kassengift für Allmachts-Fantasien in Umhängen und/oder Spandex. Aber das Ding ist verdammt erfolgreich2, und verspricht „eine andere Art von Superheld“.

Also? Nun. „Deadpool“ ist unterhaltsam, hoch-energetisch und erfreulich frei von „Du allein kannst die Welt retten“-Pathos.

Erwachsen“ ist der Film aber nicht: die selbst-referentiellen Witze über Hollywood, Produktion und das Superhelden-Genre3 landen zwar, können aber nicht über die erschreckend konventionelle Story4 hinwegtäuschen.

Der Bruch der „vierten Wand“5 und ein Umschnalldildo machen noch keine Satire.


  1. „Restricted“, vergleichbar mit „Ab 18“ in Deutschland 
  2. Deadpool Box Office Records Add Biggest R-Rated Movie Ever | Collider 
  3. „Glaubst du, Ryan Reynolds (der Hauptdarsteller) hat seine Rollen seinem Schauspielerischen Talent zu verdanken?“ – Deadpool. 
  4. Die Prinzessin ist entführt! Rette sie! 
  5. „wenn (…) eine Figur aus der Handlung ausbricht und den für sie nicht sichtbaren Zuschauer vor der Leinwand direkt anspricht.“ Vierte Wand – Wikipedia 

Star Wars – The Force Awakens

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George Lucas´ Star Wars-„Prequel-Trilogie“ war eine gigantische, aseptische CGI-Ödnis, voll von langatmigen Jedi-Rat-Debatten, Handels-Disputen, hölzernem Schauspiel, uninspiriertem Herumgestehe in Green-Screens und einer forcierten, unglaubhaften Romanze – drei Drecksfilme, 418 spannungsfreie Minuten, die doch irgendwie durchgestanden wurden, nur um am Ende ganz kurz das ikonische Darth-Vader-Röcheln zu hören.

„The Force Awakens“ ist nun der Versuch, den schalen Geschmack der Prequels hinweg zu spülen, und – halleluja – er ist geglückt! Das ist bestes Popcorn-Kino, vielleicht einen Tick zu nostalgisch, aber es fühlt sich an wie ein „STAR WARS“-Film. Und: kein Jar Jar weit und breit.

Babai (Father)

Babai ist ein Film über unbedingte Wünsche und die bewundernswert/fatale Hartnäckig- und Rücksichtslosigkeit, die Menschen entwickeln, um Ihnen näher zu kommen. Im Zentrum des Filmes steht der 10-jährige Kosovare Nori (magnetisch: Val Maloku), dessen Vater sich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland abgesetzt hat. Nori will zu ihm, unbedingt, und begibt sich, auf sich allein gestellt aber unbeirrbar, auf die Reise.

Ein unsentimentaler, rauher Film; vor dem Hintergrund der aktuellen humanitären Katastrophe (nicht: „Flüchtlingskrise“) leider auch top-aktuell.

Babai (2015) – IMDb

Babi läuft jetzt im Kino

Furious Seven

„Furious Seven“ ist eine physikalische Komödie aus einem absurden Parallel-Universum, in dem bereits sechs Fast & Furious-Filme existieren1.

Vin Diesel spielt Dom, zwei hervorragende Oberarme. Diese sind vorne meist an Lenkrädern befestigt, wo sie sich fein machen, haben aber am anderen Ende mit dem von einem grunzenden Fleisch-Ei beschwerten Rumpf zu kämpfen.

Thirst

Ein kürzlich durch ein (gescheitertes) Experiment zum Vampir gewordener katholischer Priester entdeckt Sex, Macht, Mord und Liebe (nicht zwingend in dieser Reihenfolge).

Die Prämisse klingt reichlich bescheuert, wird in den kompetenten Händen von „Oldboy“-Regisseur Chan-wook Park aber zum genau dem schwarzhumorigen Arthouse-B-Movie-Mix, den ich so liebe.

Thirst auf IMDb

Whiplash

Das Drummer-Drama „Whiplash“ ist wie seine von Ehrgeiz zerfressenen Protagonisten: gnadenlose Dedikation, frei von Ballast und Nebenfiguren. Zwei kaputte Seelen teilen den Traum von Perfektion im Jazz, und ihnen dabei zu zusehen, wie sie sich gegenseitig und selbst zerstören, ist schwer auszuhalten. Und tolles Kino.

Interstellar

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Christopher Nolan1 ist der Autorenfilmer unter den Kraftmeiern Hollywoods, er macht Filme über etwas, statt für etwas2. Für seine Ambition, mit der millionenschwersten Popkorn-Maschinerie komplexe Konzepte zu anzupacken muss man ihn lieben, die resultierenden Filme aber nicht.

Diesmal: Planetare Apokalypse, Weltraum, Wurmlöcher, 5-dimensionale Wesen, schwarze Löcher, alles flott-fantastisch inszeniert und bemüht um wissenschaftliche Korrektheit3.

Aber auch: Unterentwickelte Charaktere, wuchernde Überlänge, und Anne Hathaway, die mit einem rührselig-bizarren Monolog über die Physik der Liebe den Film beinahe versenkt4.

„Interstellar“ sollte gesehen werden, er ist bewundernswerter Kino-Bombast, der die Intelligenz des Publikums nicht beleidigt. Und früher oder später, ich bin mir sicher, wird Nolans Ambition auch einen richtig guten Film produzieren.


  1. Weitere Filme von Christopher Nolan: Memento, Inception, Dark Knight Trilogie. 
  2. Zielgruppen. 
  3. Adam Rogers: How Building a Black Hole for Interstellar Led to an Amazing Scientific Discovery | WIRED 
  4. Blame the screenwriter. 

Star Wars

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Heute mal etwas Obskures: Der skurrile 70er-Sci-Fi-Film „Star Wars“.