Get to heaven

von Everything Everything, 2015

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Auf dem dritten Album finden die Engländer endlich auch auf Album-Länge ihre Form: der hyperventilierendem Indie-Rock, das Gejodel und die Rhythmus-Schlenker werden nun von den Songs bestimmt, nicht umgekehrt.

Glücklicherweise bleibt das Ganze immer noch reichlich weird und eklektisch. Die Wundertüte ist genauso bunt, nur weniger beliebig.

Fantastisches Artwork auch.

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Kung Fury

von David Sandberg, 2015

Wer hätte gedacht, dass ein mit Explosionen, Steinzeit-Amazonen, Hitler, 80er-Retro-Charme, nordischen Donnergöttern, Kung Fu, Dinosauriern und David Hasselhoff gespickter Film so unglaublich öde sein kann? Ich nicht!

Aber hier kommt „Kung Fury“, eine per Crowdfunding1 finanzierte, halbstündige Trash-Orgie2, deren Witz bestenfalls für 10 Minuten reicht.


  1. Kung Fury auf Kickstarter 
  2. Ähnlicher Ansatz, aber nicht nur zitierend, sondern sezierend und mit offensichtlicher Liebe für das Ausgangs-Material: Black Dynamite (Scott Sanders, 2009). 

Mad Max: Fury Road

Von George Miller, 2015

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Actionfilme müssen nicht zwangsläufig strunzdumm, chauvinistisch und so konfus geschnitten sein, dass Kopfweh droht 1.

Mad Max ist zwei Stunden atemlose Verfolgungsjagd – und der größte Kino-Spass seit langem.


  1. Siehe: Bay, Michael. 

Birdman: Or (The Unexpected Virtue Of Ignorance)

von Alejandro González Iñárritu, 2014

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„Birdman“ ist ein ärgerlicher Film. Fantastisch gespielt, kreiselnde Kamera zu tosendem Schlagzeug-Soundtrack, voll selbstverliebter Arschgeigen, deren Schicksal uns doch nahe geht.

Und dann endet er mit einem Stinkefinger, er nimmt die strunzdumme, typische Abkürzung der amerikanischen Superhelden-Eskapismus-Plörre, die er doch 110 Minuten lang so fein seziert hatte:

All die Konflikte, narrativen Damokles-Schwerter, dein Mitgefühl oder Abscheu?

Fick dich, ist alles nicht relevant. Da fliegt ein Mann.

Ich vermisse Sepp Blatter

Wir brauchen mehr Blatters in Organisationen, die sich als unverzichtbar begreifen. Die Interessenvertretung hinab vom Elfenbeinturm betreiben, voll fettbäuchiger Arroganz wissen, was das Richtige ist1.

Mit einer Blatter an der Spitze war dieses Wesen nicht zu ignorieren, nun ist der medial aufgebauschte Bösewicht geopfert und es wird sich wieder arrangiert.

Also, bitte, Sepp! Komm´ zurück! Wir brauchen rote Tücher.


  1. Siehe auch: (katholische) Kirche, IOC, Bush-Administration, ADAC. 

Why make sense

von Hot Chip, 2015

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Von allen geschätzt, von niemand geliebt: Hot Chip haben eine weitere Platte mit ihrem teils sterilen, immer geschmackvollen und leicht nerdigem Indie-Disco vollgespielt.

Ich schätze das1.


  1. „Cry for you“ ist aber leider nur ein schwacher Ersatz für „Over and Over“ und, vor allem: „Ready for the floor“. 

Niederlage für die Menschheit

„Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“
– Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin1

Hat jemand ernsthaft geglaubt, Franziskus würde frischen Wind bringen? Bei dieser menschenfeindlichen Rhetorik: Ein Trugschluss.

Da wird sich gar nichts ändern, bis es sich früher oder später ausgepapstet hat.

Solo

von Nils Frahm, 2015

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Die Schönheit dessen, was Klaviertasten tun, wenn man sie streift, nicht drückt.

Der Untergang des Bahnenlandes

„Die da oben, wir da unten“ ist ja eine beliebte Narrative, etwa: während der Finanzkrise werden die Konzerne gerettet, für die Menschen interessiert sich keiner1. Wenn aber Gewerkschaften nun tatsächlich einmal ihre Macht in die Waagschale werfen, um offensichtliche Ungerechtigkeit zu korrigieren, ist es mit der Solidarität nicht weit her: Diffamierungskampagnen, „Bahnsinn„, krakelende Wut auf die Falschen.

Ich bin ja für Gerechtigkeit – solange ich pünktlich bleibe.


  1. Völlig korrekt übrigens.