Birdman: Or (The Unexpected Virtue Of Ignorance)

von Alejandro González Iñárritu, 2014

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„Birdman“ ist ein ärgerlicher Film. Fantastisch gespielt, kreiselnde Kamera zu tosendem Schlagzeug-Soundtrack, voll selbstverliebter Arschgeigen, deren Schicksal uns doch nahe geht.

Und dann endet er mit einem Stinkefinger, er nimmt die strunzdumme, typische Abkürzung der amerikanischen Superhelden-Eskapismus-Plörre, die er doch 110 Minuten lang so fein seziert hatte:

All die Konflikte, narrativen Damokles-Schwerter, dein Mitgefühl oder Abscheu?

Fick dich, ist alles nicht relevant. Da fliegt ein Mann.

Ich vermisse Sepp Blatter

Wir brauchen mehr Blatters in Organisationen, die sich als unverzichtbar begreifen. Die Interessenvertretung hinab vom Elfenbeinturm betreiben, voll fettbäuchiger Arroganz wissen, was das Richtige ist1.

Mit einer Blatter an der Spitze war dieses Wesen nicht zu ignorieren, nun ist der medial aufgebauschte Bösewicht geopfert und es wird sich wieder arrangiert.

Also, bitte, Sepp! Komm´ zurück! Wir brauchen rote Tücher.


  1. Siehe auch: (katholische) Kirche, IOC, Bush-Administration, ADAC. 

Why make sense

von Hot Chip, 2015

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Von allen geschätzt, von niemand geliebt: Hot Chip haben eine weitere Platte mit ihrem teils sterilen, immer geschmackvollen und leicht nerdigem Indie-Disco vollgespielt.

Ich schätze das1.


  1. „Cry for you“ ist aber leider nur ein schwacher Ersatz für „Over and Over“ und, vor allem: „Ready for the floor“. 

Niederlage für die Menschheit

„Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“
– Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin1

Hat jemand ernsthaft geglaubt, Franziskus würde frischen Wind bringen? Bei dieser menschenfeindlichen Rhetorik: Ein Trugschluss.

Da wird sich gar nichts ändern, bis es sich früher oder später ausgepapstet hat.

Solo

von Nils Frahm, 2015

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Die Schönheit dessen, was Klaviertasten tun, wenn man sie streift, nicht drückt.

Der Untergang des Bahnenlandes

„Die da oben, wir da unten“ ist ja eine beliebte Narrative, etwa: während der Finanzkrise werden die Konzerne gerettet, für die Menschen interessiert sich keiner1. Wenn aber Gewerkschaften nun tatsächlich einmal ihre Macht in die Waagschale werfen, um offensichtliche Ungerechtigkeit zu korrigieren, ist es mit der Solidarität nicht weit her: Diffamierungskampagnen, „Bahnsinn„, krakelende Wut auf die Falschen.

Ich bin ja für Gerechtigkeit – solange ich pünktlich bleibe.


  1. Völlig korrekt übrigens. 

Erdnussbutter

Im Gegensatz zum überdrehten Rangeschmeisse seiner nuttigen1 Großcousine Nutella bleibt Erdnussbutter gerne für sich, in der Regionalliga der Brotaufstriche.

Erdnussbutter hat keine schlechtschauspielernden Fußballer2 nötig, ja, noch nicht mal einen (Marken-)Namen. Erdnuss + Butter, das sagt alles, das reicht. Eins und eins zusammenzählen: Erdnussbutter ist sich selbst genug3.

Die gustatorische Sensation der Erdnussbutter hat seit meinen Kindheitstagen keine Schrammen abbekommen. Der dorftrottelige Auftritt, das fettglänzende Finish4? – Alles egal in ihrer cremigen Umarmung.

In einem Erdnussbutter-losen Haus will ich nicht hausen.


  1. See what i did there? 
  2. Nutella Werbung „Vorbild“ auf youtube – Mats Hummels, Mesut Özil, Manuel Neuer, Benedikt Höwdes 
  3. Peanut Butter Jelly Sandwich: Blasphemie! 
  4. „Erdnussbutter enthält im Schnitt 2500 kJ (600 kcal) pro 100 g“ (Quelle: Wikipedia

Black Mirror

von Charlie Brooker/Channel 4, 2011-2015

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Die nahe Zukunft, auf’s unangenehmste: die fantastische britische TV-Serie „Black Mirror“ entlarvt die Heilsversprechen moderner Kommunikations- und Selbstoptimierungs-Technologien in knapp einstündigen, abgeschlossenen Episoden.

Alles weitere macht kaputt, keine weiteren Informationen, außer, versprochen:
Es wird sehr toll sehr schlimm.

To Pimp A Butterfly

von Kendrick Lamar, 2015

To Pimp A Butterfly

Keiner hätte sich beschwert, wenn Kendrick Lamar das bewährte „Short Film“-Konzept des (großartigen) 2012er Albums „good kid, m.A.A.d city“ einfach wiederholt hätte.

Aber die Ambition, das wird schnell klar, ist eine andere: „To Pimp A Butterfly“ ist Eine kunterbunte, genre-sprengende Selbstzerfleischung1. (Fast) frei von radio-tauglichen Singles, und ein umso stärkeres Statement.

Hören/Kaufen: spotify, iTunes.


  1. Aber immer noch: Hip Hop. Sehr guter. 

Ich wollte über den Echo 2015 schreiben, aber mir kam ein Oonagh dazwischen

Der Echo ist kein Kritikerpreis, der Echo ist kein Kritikerpreis.

Es gewinnt das, was am ranschmeissend-populärsten ist, eingängig ohne Würde, sich am meisten verkauft. Das, was am häufigsten in1 Radio-Sendern läuft, die sich ohne mit der Wellenform zu zucken „Sunshine Live“ nennen und nur zu gerne für Hintergrund-dudelnde Verdummung geradestehen.

Also: Mehr Tapete als Musik.
Find´ich fair.

Ebenfalls fair: Das ich die Preisträger flugs und gnadenlos scanne, einsortiere, und folgend in meinen Blog schreitippe, wie tief wir gesunken sind. Alles ist bereit: Ich habe die Liste der Preisträger, das getreue youtube wartet geduldig im nächsten Browsertab, ich bin bereit zur rhetorischen Annihilation2.
Vier Echos? Zu gierig, Helene Fischer.

Aber ach, es kommt alles anders3. Es kommt Oonagh.

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