A Moon Shaped Pool

von Radiohead, 2016

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Oh, Unsicherheit.

Die letzte Veröffentlichung „The King of Limbs“ (2011) war eine Platte auf Auto-Pilot und eine Argumentationshilfe für alle, die Radiohead für total überbewertet halten – weinerlicher, mäanderder Art-Rock.

Jetzt – Erleichterung – meldet sich die vielleicht beste Band der Welt (begleitet von einem Social-Media Non-Event1) mit dem ausgezeichneten „Moon Shaped Pool“ zurück, und alles ist vergessen. Die Musik hat wieder Ziel und Sinn, hymnische Gezeiten, wunderbare Streicher-Arrangements, und keine stupide Robotik2 weit und breit.

Ha, Euphorie!

Hören/Kaufen: Offizielle Website, iTunes


  1. Radiohead Erase Internet Presence | Pitchfork 
  2. Zum Vergleich: „Kid A“ ist wunderbare Robotik. 

Kölner Philharmonie

Ich war neulich bei „Six Pianos1“, in dem sechs tolle Pianisten erst kurz ihre (tollen) eigenen Stücke vortrugen, und sich dann (auch toll, aber logischerweise ohne jede individuelle Note) dem Diktat des namensgebenden Stückes von Steve Reich unterwurfen2.

Das war alles voll Kunst-bürgerlich und (vom Publikum zu schliessen) gleichzeitig total hip, aber während ich dem Reich-typischen An-und Abschwellen einzelner Melodie-Fragmente lauschte und ausführlich Zeit hatte, meine Umgebung einzunehmen, musste ich wieder feststellen:

Die Philharmonie ist eine Turnhalle.

Nicht akustisch, das war wunderbar, wie all die anderen Konzerte. Aber dieser Raum! Die 70er-Jahre-Holzigkeit3! Der baumarktige Bühnenboden! Und: Die scheusslichen beleucht-die-Musiker-Lampen!

Meine Begleitung versicherte mir, dass die Philharmonie dank ihrer Architektur4 eine unglaublich gute Akustik hat, und das nach-empfinde ich. Sowas von.

Ich hörte aber auch die Medizinbälle dopsen.


  1. Steve Reich: Six Pianos – ACHT BRÜCKEN 
  2. Dieses Form von „unterwerfen“ ist ab jetzt Teil dieses Blogs. Findet euch damit ab. 
  3. Erbaut: 1986 
  4. Witze über die den Heinrich-Böll-Platz & Pumps/Skateboards, Ereiferung über Steuer-Verschwendung u.ä. sind nicht mein Interesse. Bitte selbst formulieren auf Basis von:
    http://www.wikiwand.com/de/Kölner_Philharmonie 

Deadpool

von Tim Miller, 2016

Deadpool

„Deadpool“ ist der erste hochbudgetierte Superhelden-Film mit dem US-amerikanischen R-Rating 1– eigentlich Kassengift für Allmachts-Fantasien in Umhängen und/oder Spandex. Aber das Ding ist verdammt erfolgreich2, und verspricht „eine andere Art von Superheld“.

Also? Nun. „Deadpool“ ist unterhaltsam, hoch-energetisch und erfreulich frei von „Du allein kannst die Welt retten“-Pathos.

Erwachsen“ ist der Film aber nicht: die selbst-referentiellen Witze über Hollywood, Produktion und das Superhelden-Genre3 landen zwar, können aber nicht über die erschreckend konventionelle Story4 hinwegtäuschen.

Der Bruch der „vierten Wand“5 und ein Umschnalldildo machen noch keine Satire.


  1. „Restricted“, vergleichbar mit „Ab 18“ in Deutschland 
  2. Deadpool Box Office Records Add Biggest R-Rated Movie Ever | Collider 
  3. „Glaubst du, Ryan Reynolds (der Hauptdarsteller) hat seine Rollen seinem Schauspielerischen Talent zu verdanken?“ – Deadpool. 
  4. Die Prinzessin ist entführt! Rette sie! 
  5. „wenn (…) eine Figur aus der Handlung ausbricht und den für sie nicht sichtbaren Zuschauer vor der Leinwand direkt anspricht.“ Vierte Wand – Wikipedia 

Open Power

von Andrey Ustinov, 2016

"Open Power – Socket 3" - (C) Andrey Ustinov

„Open Power – Socket 3“ – (C) Andrey Ustinov

„Open Power“ sind Markierungen im Stadtraum, 100 frei zugängliche Steckdosen im öffentlichen Raum, die der Kölner Künstler Andrey Ustinov über den Zeitraum von einem Jahr gesammelt und dokumentiert hat.

Es ist eines der seltenen Projekte, in dem sehr unterschiedliche Aspekte und Zugänge vereint werden, ohne dass die Teilstücke in Konkurrenz zueinander treten:

Die wunderbare Photo-Serie ist stringente, minimale Medienkunst, die Karte ist „Service“ für unsere strom-abhängige Handy-Gesellschaft, und die Geschichte des Projekts: Eine Einladung zur bewussteren Auseinandersetzung mit dem Stadtraum.

"Open Power" Website Openpower.cologne - (C) Andrey Ustinov

„Open Power“ Website Openpower.cologne – (C) Andrey Ustinov

Projekt-Website
Andreyustinov.com

Eröffnung 6.5.2016, 20:00, Kennedy-Ufer Köln – Facebook-Veranstaltung

Star Wars – The Force Awakens

von JJ Abrams, 2015

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George Lucas´ Star Wars-„Prequel-Trilogie“ war eine gigantische, aseptische CGI-Ödnis, voll von langatmigen Jedi-Rat-Debatten, Handels-Disputen, hölzernem Schauspiel, uninspiriertem Herumgestehe in Green-Screens und einer forcierten, unglaubhaften Romanze – drei Drecksfilme, 418 spannungsfreie Minuten, die doch irgendwie durchgestanden wurden, nur um am Ende ganz kurz das ikonische Darth-Vader-Röcheln zu hören.

„The Force Awakens“ ist nun der Versuch, den schalen Geschmack der Prequels hinweg zu spülen, und – halleluja – er ist geglückt! Das ist bestes Popcorn-Kino, vielleicht einen Tick zu nostalgisch, aber es fühlt sich an wie ein „STAR WARS“-Film. Und: kein Jar Jar weit und breit.

Erdogan v Böhmermann: Dawn of Justice

ErdoganvBöhmermann - Dawn of Justice

Ein Lobgedicht1.

Entlarvend ist´s, Absurdistan
Der Rechtsstaat keult für Erdogan
Die große Frage, was heisst „frei“
Dank einer kleinen Pöbelei
Mein Fazit wäre schlicht zu sagen:
Man muss mehr Schrumpelklöten wagen


  1. Ich weiß, das ist kein guter Job / Nur 10 Minuten Photoshop 

The Life of Pablo

von Kanye West, 2016

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„The Life of Pablo“ empfängt und umfängt mit dem majestätischen, wunderbaren Gospel von „Ultralight Beam“, bevor sich der Künstler ein Lied später wieder auf relevantes besinnt: „Now if I fuck this model / And she just bleached her asshole / And I get bleach on my T-shirt / I’mma feel like an asshole“.

Und so geht das weiter: Transzendenz und Gosse, hässlicher Hedonismus, Machismo und launige Selbst-Zweifel, unterlegt von verdammt feiner Musik1.

Also alles wie gehabt im Camp Kanye.


  1. „The Life of Pablo“ ist bis dato exklusiv auf Jay-Zs Musikportal „Tidal“ hörbar. 

Fick Gott

Heuer war ich im schönen Wien unterwegs, ich lustwandelte durch den ganzen alten wunderbaren Prunk gen Museumsquartier, als mich, direkt an der Karlskirche, ein zerbrechlich wirkender alter Mann ansprach.

„Können Sie deutsch“, fragte er, und ich bejahte wahrheitsgemäß und blieb stehen.

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Babai (Father)

von Visar Morina, 2015

Babai ist ein Film über unbedingte Wünsche und die bewundernswert/fatale Hartnäckig- und Rücksichtslosigkeit, die Menschen entwickeln, um Ihnen näher zu kommen. Im Zentrum des Filmes steht der 10-jährige Kosovare Nori (magnetisch: Val Maloku), dessen Vater sich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland abgesetzt hat. Nori will zu ihm, unbedingt, und begibt sich, auf sich allein gestellt aber unbeirrbar, auf die Reise.

Ein unsentimentaler, rauher Film; vor dem Hintergrund der aktuellen humanitären Katastrophe (nicht: „Flüchtlingskrise“) leider auch top-aktuell.

Babai (2015) – IMDb

Babi läuft jetzt im Kino

Furious Seven

von James Wan, 2015

„Furious Seven“ ist eine physikalische Komödie aus einem absurden Parallel-Universum, in dem bereits sechs Fast & Furious-Filme existieren1.

Vin Diesel spielt Dom, zwei hervorragende Oberarme. Diese sind vorne meist an Lenkrädern befestigt, wo sie sich fein machen, haben aber am anderen Ende mit dem von einem grunzenden Fleisch-Ei beschwerten Rumpf zu kämpfen.

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