Papers, Please

Der Grenzposten-Simulator „Papers, Please“ erklärt wenig. Du wurdest per Los dazu bestimmt, die Grenze des fiktiven Landes Arstotzka zu überwachen, deine Familie wird von den Autoritäten umgesiedelt, du gehst zur Arbeit – so heisst es lapidar. Die Gesichter der Menschen, die Einlass in den Soviet-dystopischen Staat verlangen, sind trauergrau. Du überprüfst die Papiere und suchst nach Diskrepanzen: Visa abgelaufen? Falscher Name? Du verhörst die Antragsteller, entscheidest mit einem Stempel, Gesicht um Gesicht zieht vorbei. Deine Familie hungert, jeder Fehler kann dich ins Gefängnis bringen.

„Papers, Please“ ist ein Spiel, das keinen Spass macht, das keinen Spass machen soll. Es ist eine geniale Illustration der Banalität des Bösen, einer entmenschlichenden Bürokratie. „Papers, Please“ sollte gespielt werden.

“Papers, Please“ für macOS, Linux, Windows – 9.99$

Tanz´ den Nafri: Der AfD-Bundesparteitag in Köln

Die selbsternannte „Alternative für Deutschland“ ist sich für wenig zu schade. Auf Flüchtlinge schiessen1, Dildos anprangern2, Holocaust relativieren3. Nun hält sie ihren Bundesparteitag kommendes Wochenende in Köln ab, um die Ereignisse der Silvesternacht 2016 für billig-braunen Populismus auszuschlachten.

Eine dufte Partei. Hier ein hoffentlich hilfreicher Überblick über Risiken und Nebenwirkungen.

Ficken/Morden/Meta: „Game of Thrones“ & „WestWorld“

WestWorld — Abb.: HBO
Game of Thrones — Abb.: HBO

„WestWorld“ ist die aktuelle fast-schon-Kino-Produktion des amerikanischen Bezahl-TV-Senders HBO1, hier zu Lande bekannt für das Fantasy-Intrigenspiel „Game of Thrones“. Dieses läuft demnächst aus2, und „WestWorld“ soll der neue Hit werden.

Ich hoffe sehr, dass es gelingt, denn dieser Sci-Fi-Vergnügungspark in dem man3 konsequenz-frei den Roboter-Einwohner*innen (an)tun kann, was man will, ist in den ersten zehn Episoden meilenweit interessanter als die 4 von mir gesehenen Staffeln4 von „Game of Thrones“ zusammen.

„Awaken, My Love!“

Multitalent Donald Glovers1 neues Album ist erstmals komplett frei von Rap und dafür von vorne bis hinten voll mit behutsam modernisiertem 70s Funk & Soul. Projekte wie diese enden ja oft genug als blutleere Zitatensammlung2 – aber Glover bringt genug Energie, Charakter und vor allem: den Willen mit, nicht nur in der Musikkiste zu wühlen, sondern sich kopfüber hinein zu stürzen.

Hören: Spotify / Apple Music


  1. Bekannt u.a. als Schauspieler aus der Serie „Community“. 
  2. Siehe etwa: das Gesamtwerk von Duffy. 

Rick And Morty

In der animierten Serie „Rick and Morty“ gehen der brillante Wissenschaftler Rick und sein Enkel Morty auf Abenteuerreisen durch ein kunterbuntes Universum. So weit, so Kinder-kompatibel. Aber Rick ist ein konstant rülpsender Alkoholiker und Morty minderbemittelt, die Familie dysfunktional, und die vor Sci-Fi-Referenzen nur so strotzenden Abenteuer enden meist in einer bitteren Erkenntnis.

Room 29

Da haben sich zwei gefunden: Pop-Charakterköpfe Jarvis Cocker1 und Chilly Gonzales ergänzen sich in diesem minimalistisch-melancholischen Konzeptalbum über Einsamkeit und faden Glamour des Hotelzimmers wie erwartet wunderbar. Nicht vom Genre „Contemporary Classic“ abschrecken lassen. Es ist Pop. Feiner.

Apple Music / Spotify


  1. Ex-Frontmann der wunderbaren „Pulp“