Mitt

von Greg Whiteley, 2014

Angesichts des grandiosen Tohuwabohus im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf lohnt sich ein Blick zurück: 2012, Barrack Obama gegen Mitt Romney.

Greg Whiteleys Film will kein Debattenbeitrag sein: Das politische Profil, die Inhalte des Kandidaten Romney und Kontrahenten Obama spielen kaum eine Rolle, stattdessen konzentriert er sich auf ein intimes Portrait einer Familie im Wahnsinn Wahlkampf.

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Nix wie raus

„I am asking the British public to take back control (…) from those organizations which are distant, unaccountable and elitist (…) the people of this country have had enough of experts“
– Michael Gove

Brexit, Trump, AfD1: Gerade setzen sich weltweit in erschreckender Anzahl schrille Stimmen durch, die nicht nur dreist ignorant, sondern dezidiert faktenfeindlich2 sind. Das Establishment, sei es Medien, Politik oder Wissenschaft ist wenigstens abgehoben und wahrscheinlich korrupt. „Volksverräter“ schreit die Pegida.

Kontrolle braucht das eigene Land, über die eigenen Geschicke, und das heisst vor allem: Abschottung und das Ende jeder Solidarität. Über Donald Trumps „Mexiko-Grenz-Mauer“-Pläne wird gerne gelacht, aber die in Deutschland geforderte Einschränkung des Asylrechts ist nicht weniger wahnwitzig-menschenverachtend.

Wir sind angelangt bei „wir gegen die“, jeder für sich, und alle gegen Menschen mit Fluchthintergrund.

Was eine existentielle3 Wirtschaftskrise vor ein paar Jahren nicht geschafft hat, besorgt nun eine eklige Ladung Nationalismus, Populismus und Xenophobie: Das Ende der Europäischen Gemeinschaft wie wir sie kennen.

Währenddessen: Menschen sterben auf dem Mittelmeer.


  1. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. 
  2. „Lügenpresse“ 
  3. Im Falle Griechenlands 

Coloring Book

von Chance the Rapper, 2016

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Du willst die Sommer-Platte?

Hier ist die Sommer-Platte, ein beseelter, bunter Soul-HipHop-Hybrid von Chance the Rapper. Wer die ersten beiden Kanye-West-Platten schätzt, wird hier glücklich.

„Coloring Book“ Mixtape auf Soundcloud

Maifeld Derby 2016

Das Maifeld Derby in Mannheim ist ein Festival nach meinem Geschmack: Nicht zu groß/überlaufen, nette Atmosphäre und jede Menge spannende, (mir) neue Musik. Dieses Jahr1 hab ich´s nur ausschnittsweise und Freitag/Samstag mitgenommen, trotzdem: ein Fazit.

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Nachbarn, die nach dem Rechten sehen

Jerome Boateng, Deutscher mit Migrationshintergrund und Nationalspieler hat sich von AfD-Vize Alexander Gauland1 anhören müssen, dass „Leute2 ihn „nicht gerne als Nachbarn haben3. Das ist widerlich, aber keine wirklich überraschende Äusserung für einen AfD-Funktionär.

Diese fremdenfeindliche Vorlage verwandelt nun aber die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu einem ekligen Eigentor4: sie schickt doch tatsächlich einen Reporter in den Münchner Stadtteil Grünwald und befragt die Nachbarn: Wie benimmt er sich denn so, der Farbige?

Auch das ist lupenreiner Rassismus, liebe FAZ.


  1. Nomen est omen 
  2. Vermutlich: Deutsche deutscher Hautfarbe mit deutschem Hintergrund. 
  3. Kritik an AfD-Vize: Empörung über Gauland-Äußerung zu Boateng | tagesschau.de 
  4. „Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat Boatengs Nachbarn nach Vorbehalten gefragt“ – AfD-Vize Gauland beleidigt Jerome Boateng 

A Moon Shaped Pool

von Radiohead, 2016

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Oh, Unsicherheit.

Die letzte Veröffentlichung „The King of Limbs“ (2011) war eine Platte auf Auto-Pilot und eine Argumentationshilfe für alle, die Radiohead für total überbewertet halten – weinerlicher, mäanderder Art-Rock.

Jetzt – Erleichterung – meldet sich die vielleicht beste Band der Welt (begleitet von einem Social-Media Non-Event1) mit dem ausgezeichneten „Moon Shaped Pool“ zurück, und alles ist vergessen. Die Musik hat wieder Ziel und Sinn, hymnische Gezeiten, wunderbare Streicher-Arrangements, und keine stupide Robotik2 weit und breit.

Ha, Euphorie!

Hören/Kaufen: Offizielle Website, iTunes


  1. Radiohead Erase Internet Presence | Pitchfork 
  2. Zum Vergleich: „Kid A“ ist wunderbare Robotik. 

Kölner Philharmonie

Ich war neulich bei „Six Pianos1“, in dem sechs tolle Pianisten erst kurz ihre (tollen) eigenen Stücke vortrugen, und sich dann (auch toll, aber logischerweise ohne jede individuelle Note) dem Diktat des namensgebenden Stückes von Steve Reich unterwurfen2.

Das war alles voll Kunst-bürgerlich und (vom Publikum zu schliessen) gleichzeitig total hip, aber während ich dem Reich-typischen An-und Abschwellen einzelner Melodie-Fragmente lauschte und ausführlich Zeit hatte, meine Umgebung einzunehmen, musste ich wieder feststellen:

Die Philharmonie ist eine Turnhalle.

Nicht akustisch, das war wunderbar, wie all die anderen Konzerte. Aber dieser Raum! Die 70er-Jahre-Holzigkeit3! Der baumarktige Bühnenboden! Und: Die scheusslichen beleucht-die-Musiker-Lampen!

Meine Begleitung versicherte mir, dass die Philharmonie dank ihrer Architektur4 eine unglaublich gute Akustik hat, und das nach-empfinde ich. Sowas von.

Ich hörte aber auch die Medizinbälle dopsen.


  1. Steve Reich: Six Pianos – ACHT BRÜCKEN 
  2. Dieses Form von „unterwerfen“ ist ab jetzt Teil dieses Blogs. Findet euch damit ab. 
  3. Erbaut: 1986 
  4. Witze über die den Heinrich-Böll-Platz & Pumps/Skateboards, Ereiferung über Steuer-Verschwendung u.ä. sind nicht mein Interesse. Bitte selbst formulieren auf Basis von:
    http://www.wikiwand.com/de/Kölner_Philharmonie 

Deadpool

von Tim Miller, 2016

Deadpool

„Deadpool“ ist der erste hochbudgetierte Superhelden-Film mit dem US-amerikanischen R-Rating 1– eigentlich Kassengift für Allmachts-Fantasien in Umhängen und/oder Spandex. Aber das Ding ist verdammt erfolgreich2, und verspricht „eine andere Art von Superheld“.

Also? Nun. „Deadpool“ ist unterhaltsam, hoch-energetisch und erfreulich frei von „Du allein kannst die Welt retten“-Pathos.

Erwachsen“ ist der Film aber nicht: die selbst-referentiellen Witze über Hollywood, Produktion und das Superhelden-Genre3 landen zwar, können aber nicht über die erschreckend konventionelle Story4 hinwegtäuschen.

Der Bruch der „vierten Wand“5 und ein Umschnalldildo machen noch keine Satire.


  1. „Restricted“, vergleichbar mit „Ab 18“ in Deutschland 
  2. Deadpool Box Office Records Add Biggest R-Rated Movie Ever | Collider 
  3. „Glaubst du, Ryan Reynolds (der Hauptdarsteller) hat seine Rollen seinem Schauspielerischen Talent zu verdanken?“ – Deadpool. 
  4. Die Prinzessin ist entführt! Rette sie! 
  5. „wenn (…) eine Figur aus der Handlung ausbricht und den für sie nicht sichtbaren Zuschauer vor der Leinwand direkt anspricht.“ Vierte Wand – Wikipedia 

Open Power

von Andrey Ustinov, 2016

"Open Power – Socket 3" - (C) Andrey Ustinov

„Open Power – Socket 3“ – (C) Andrey Ustinov

„Open Power“ sind Markierungen im Stadtraum, 100 frei zugängliche Steckdosen im öffentlichen Raum, die der Kölner Künstler Andrey Ustinov über den Zeitraum von einem Jahr gesammelt und dokumentiert hat.

Es ist eines der seltenen Projekte, in dem sehr unterschiedliche Aspekte und Zugänge vereint werden, ohne dass die Teilstücke in Konkurrenz zueinander treten:

Die wunderbare Photo-Serie ist stringente, minimale Medienkunst, die Karte ist „Service“ für unsere strom-abhängige Handy-Gesellschaft, und die Geschichte des Projekts: Eine Einladung zur bewussteren Auseinandersetzung mit dem Stadtraum.

"Open Power" Website Openpower.cologne - (C) Andrey Ustinov

„Open Power“ Website Openpower.cologne – (C) Andrey Ustinov

Projekt-Website
Andreyustinov.com

Eröffnung 6.5.2016, 20:00, Kennedy-Ufer Köln – Facebook-Veranstaltung

Star Wars – The Force Awakens

von JJ Abrams, 2015

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George Lucas´ Star Wars-„Prequel-Trilogie“ war eine gigantische, aseptische CGI-Ödnis, voll von langatmigen Jedi-Rat-Debatten, Handels-Disputen, hölzernem Schauspiel, uninspiriertem Herumgestehe in Green-Screens und einer forcierten, unglaubhaften Romanze – drei Drecksfilme, 418 spannungsfreie Minuten, die doch irgendwie durchgestanden wurden, nur um am Ende ganz kurz das ikonische Darth-Vader-Röcheln zu hören.

„The Force Awakens“ ist nun der Versuch, den schalen Geschmack der Prequels hinweg zu spülen, und – halleluja – er ist geglückt! Das ist bestes Popcorn-Kino, vielleicht einen Tick zu nostalgisch, aber es fühlt sich an wie ein „STAR WARS“-Film. Und: kein Jar Jar weit und breit.