The Lobster

von Yorgos Lanthimos, 2015

„The Lobster“ ist dystopische Fabel, Liebesgeschichte und rabenschwarze Komödie. Die Prämisse: In einem Parallel-Universum bleibt Singles nur ein Monat um einen Partner zu finden – danach werden sie zum Sport gejagt und in ein Tier1 verwandelt.

Ich kann´s nicht mehr anpreisen2.

Im Kino / IMDB


  1. Immerhin: Das Tier ihrer Wahl. 
  2. Auch das Poster ist (wie ihr sicher schon bemerkt habt) fantastisch. Wenig fantastisch: der deutsche Titel-Zusatz: „The Lobster – eine unkonventionelle Liebesgeschichte“. Glaubt der Verleih, dass das Zielpublikum dieses Films sich von dieser ZDF-Vorabendprogramm-Beschreibung angezogen fühlt? Es ist ein Jammertal. 

Our Puram

von Pfarmers, 2016

Wer möchte, der kann sich bestimmt lang und breit mit den Hintergründen dieses Konzeptalbums („Jesus Saves. Moses Invests. Bhagwan Spends“.1) auseinandersetzen. Für deinen Genuss der Platte ist alleine die folgende Frage relevant:

Klingt ein Musik-Mix aus „The National“ und „Menomena“2 interessant?

Eben.


  1. Rajneesh movement – Wikiwand 
  2. Die Band ist ein Nebenprojekt von Bryan Devendorf (The National) und Danny Seim (Menomena) mit Dave Nelson (St. Vincent, Sufjan Stevens). 

Grande

von Von Wegen Lisbeth, 2016

Wäre die Kunstfigur PeterLicht endlich mal verliebt, würde er vielleicht eine Platte machen wie „Grande“:

Jedes Wort ist abgewägt, die Kulisse klarster Pop, aber Kühle ist kein Lösung: Es muss heraus in rauschhaftem, melodienseligen Drang – das absurde iPhone wird beobachtet1, aber nicht begraben2 (sie könnte ja noch mal anrufen).

„Was ist heute so passiert? / Meine Virendatenbank wurde aktualisiert / Bitteschön und vielen Dank / Das ist nice, das ist nice!
Als ich heut in die Küche ging / Um drei Minuten vor halb Acht / hab ich kurz nicht an Dich gedacht“

Beseelteres ist dieses Jahr nicht mehr zu erwarten.

Hören/Kaufen: Spotify / iTunes


  1. Von Wegen Lisbeth: „Cherie“ 
  2. PeterLicht: Begrab´ mein iPhone

Dschungel-Ski mit Vin

Ist´s das Ski-Laufen im Dschungel? Oder das Motorrad-Rennen auf der Ozean-Oberfläche? Der genaue Moment, in dem die geballte Dummheit dieses Vin Diesel-Actionfilm-Trailers 1 die Schallmauer zur Brillanz durchschlägt ist schwer zu bestimmen, aber, unbestreitbar:
Der Trailer durchschlägt sie, Fleischmütze voran, und kratzt sich schief grinsend am Sack.
Hut ab.

Stadt zu Spielplatz: Pokémon GO

Etwas wunderbares passiert gerade: Die Stadt wird zum Spielplatz. Menschen erkunden den urbanen Raum und versammeln sich an Orten, die sie sonst nicht betreten würden.

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Nicht ohne meinen Schweinebraten!

Ich hatte gerade schon rund 1500 Zeichen dazu geschrieben, warum ein „Die Welt“-Artikel mit der Überschrift „Merkel bittet Migranten um Toleranz für Schweinebraten1“ bösartiger Unsinn ist. Aber: dazu musste ich nicht recherchieren, abwägen, Statistiken wälzen, sondern einfach nur den Artikel lesen, also: nicht mal den Artikel, es reicht der erste Abschnitt, in dem Frau Merkels Aussage und die (sehr wohlwollend umschrieben) „Interpretation“ meilenweit auseinanderklaffen.

Und was will ich um jeden Preis vermeiden?

Langweilen und die Intelligenz meiner Leser*innen beleidigen.
„Die Welt“ langweilt nun nicht, aber letzteres hat sie ziemlich gut drauf.

Durchsage: Ausstellung in Düsseldorf.

Florian Egermann
ANTICHAMBRE im Hotel Friends
Worringer Strasse 94-96 Düsseldorf

Ausstellung in den Zimmern
Zugang durch die Rezeption des Hotels

16.7.16 – 31.12.2016
Eröffnung 15.7. – 19:00

Kuratiert Von Wilko Austermann

fleg.de/hotel

Autokorso

Die scheusslichste Form öffentlicher Freude ist fraglos der Autokorso.

Ich kann ja nachvollziehen: Freude will nach draussen, will lautstark raus aus Körper und Wohnung. Aber will sie folgend auch gleich wieder hinein in etwas Tonnenschweres, in ein sitzgeschnalltes blök-hupendes Schritttempo – will Freude sich an Strassenverkehrsregeln halten?

Will sie nicht, behaupte ich.

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Mitt

von Greg Whiteley, 2014

Angesichts des grandiosen Tohuwabohus im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf lohnt sich ein Blick zurück: 2012, Barrack Obama gegen Mitt Romney.

Greg Whiteleys Film will kein Debattenbeitrag sein: Das politische Profil, die Inhalte des Kandidaten Romney und Kontrahenten Obama spielen kaum eine Rolle, stattdessen konzentriert er sich auf ein intimes Portrait einer Familie im Wahnsinn Wahlkampf.

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Nix wie raus

„I am asking the British public to take back control (…) from those organizations which are distant, unaccountable and elitist (…) the people of this country have had enough of experts“
– Michael Gove

Brexit, Trump, AfD1: Gerade setzen sich weltweit in erschreckender Anzahl schrille Stimmen durch, die nicht nur dreist ignorant, sondern dezidiert faktenfeindlich2 sind. Das Establishment, sei es Medien, Politik oder Wissenschaft ist wenigstens abgehoben und wahrscheinlich korrupt. „Volksverräter“ schreit die Pegida.

Kontrolle braucht das eigene Land, über die eigenen Geschicke, und das heisst vor allem: Abschottung und das Ende jeder Solidarität. Über Donald Trumps „Mexiko-Grenz-Mauer“-Pläne wird gerne gelacht, aber die in Deutschland geforderte Einschränkung des Asylrechts ist nicht weniger wahnwitzig-menschenverachtend.

Wir sind angelangt bei „wir gegen die“, jeder für sich, und alle gegen Menschen mit Fluchthintergrund.

Was eine existentielle3 Wirtschaftskrise vor ein paar Jahren nicht geschafft hat, besorgt nun eine eklige Ladung Nationalismus, Populismus und Xenophobie: Das Ende der Europäischen Gemeinschaft wie wir sie kennen.

Währenddessen: Menschen sterben auf dem Mittelmeer.


  1. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. 
  2. „Lügenpresse“ 
  3. Im Falle Griechenlands