Black Mirror

von Charlie Brooker/Channel 4, 2011-2015

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Die nahe Zukunft, auf’s unangenehmste: die fantastische britische TV-Serie “Black Mirror” entlarvt die Heilsversprechen moderner Kommunikations- und Selbstoptimierungs-Technologien in knapp einstündigen, abgeschlossenen Episoden.

Alles weitere macht kaputt, keine weiteren Informationen, außer, versprochen:
Es wird sehr toll sehr schlimm.

To Pimp A Butterfly

von Kendrick Lamar, 2015

To Pimp A Butterfly

Keiner hätte sich beschwert, wenn Kendrick Lamar das bewährte “Short Film”-Konzept des (großartigen) 2012er Albums “good kid, m.A.A.d city” einfach wiederholt hätte.

Aber die Ambition, das wird schnell klar, ist eine andere: “To Pimp A Butterfly” ist Eine kunterbunte, genre-sprengende Selbstzerfleischung1. (Fast) frei von radio-tauglichen Singles, und ein umso stärkeres Statement.

Hören/Kaufen: spotify, iTunes.


  1. Aber immer noch: Hip Hop. Sehr guter. 

Ich wollte über den Echo 2015 schreiben, aber mir kam ein Oonagh dazwischen

Der Echo ist kein Kritikerpreis, der Echo ist kein Kritikerpreis.

Es gewinnt das, was am ranschmeissend-populärsten ist, eingängig ohne Würde, sich am meisten verkauft. Das, was am häufigsten in1 Radio-Sendern läuft, die sich ohne mit der Wellenform zu zucken “Sunshine Live” nennen und nur zu gerne für Hintergrund-dudelnde Verdummung geradestehen.

Also: Mehr Tapete als Musik.
Find´ich fair.

Ebenfalls fair: Das ich die Preisträger flugs und gnadenlos scanne, einsortiere, und folgend in meinen Blog schreitippe, wie tief wir gesunken sind. Alles ist bereit: Ich habe die Liste der Preisträger, das getreue youtube wartet geduldig im nächsten Browsertab, ich bin bereit zur rhetorischen Annihilation2.
Vier Echos? Zu gierig, Helene Fischer.

Aber ach, es kommt alles anders3. Es kommt Oonagh.

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Der letzte Angestellte

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von Alexander Adolph, 2010

Der Arbeitsplatz als Hort des Bösen: Dieser – sehr deutsch – zwischen Wohnung, KITA und Grossraum-Büro oszillierende Film1 kommt als nüchterner Psycho-Thriller daher, beinhaltet aber einige, nun, sehr unappetitliche Szenen.

Horror also, und das meist sehr effektiv. Und dankenswerter Weise auch ohne Auflösung, ohne kausalen Kuschelfaktor: Warum der Wahn, warum der Spuk? Keine Antwort, nur: Inferno. Und Büro.


  1. Eigentlich für´s Fernsehen produziert, Teil der oft sehr tollen Reihe “Das kleine Fernsehspiel” 

Scherz

Hinweis: Ich halte Veröffentlichungsdaten bei einem endgültigen Blog wie meinem für überflüssig. Zum ersten Mal sei es in diesem speziellen Fall aber angemerkt: 1.April 2015.

Manchmal ist es hilfreich, sich mit Herkunft eines Wortes zu beschäftigen.

Der Autor und Journalist Adolph Scherz (* 8. November 1891 in Gütersloh; † 1. April 1943 in Ingolstadt), hat mit seinen Zeitungs-Kolumnen und Karikaturen (“Scherze“) den Begriff populär gemacht1.

Leider wimmelt es im Scherz´schen Werk nur so von Fremden- und Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, dumpfem Nationalismus und Propaganda.

Aber heute ist sein Name Synonym für banale Witzchen – und Adolph Scherz lacht als Letzter.


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Scherz 

Im Sinkflug

Wer die Berichterstattung verfolgt, dem muss es grausen, aber nicht nur wegen der Details, sondern auch wegen der Methoden. Absturz und Presse: Je schlimmer, desto schlimmer1.

Egal wie verpixelt: fremdes Leid bleibt fremdes Leid2, es gibt kein Recht auf Anteilnahme.


  1. Bis auf wenige Ausnahmen. 
  2. Der Bildblog hat sich der unangenehmen Aufgabe angenommen, das ganze Elend zusammenzutragen: Mats Schönauer : “Absturz des Journalismus” 

Terry Pratchett

Ich kann nicht sagen, wie viele Terry Pratchett-Bücher ich in meiner Jugend gelesen habe, aber es gab eine Periode – keine Monate, Jahre! – in der ich fast ausschliesslich Terry Pratchett-Bücher las.

Ab einem gewissen Alter und konsumierter Menge verlieren die Eskapismus-Steilvorlagen von Fantasy-Szenarios ja ihren Reiz, Pratchett´s Scheibenwelt aber hielt mich bei der Stange: Mit einer Welt, die nicht nur satirische Züge trägt, sondern bereits im Kern eine teils harte, aber nie bösartige Abhandlung mit sehr menschlichen Absurditäten (Bürokratie, Religion, Militär, …) darstellt.

Ich würde gerne mit einem cleveren Zitat schließen, aber dazu müsste ich einen der Scheibenwelt-Romane noch mal in die Hand nehmen. Und lesen. Und vielleicht enttäuscht feststellen, dass die Scheibenwelt, die auf 4 Elefanten ruht, die wiederum von einer gigantischen Schildkröte durchs Weltall getragenen werden1, doch nicht so hinterwitzig glimmt wie in meiner Erinnerung.

Aber die Wahrscheinlichkeit, wird mir hier beim Schreiben klar, ist sehr gering.

Danke, Terry2.


  1. Und alles andere ist Blasphemie! 
  2. Sir Terence David John “Terry” Pratchett, 28.4.1948 – 12.3.2015 

Schick Schock

von Bilderbuch, 2015

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Wenn Hipster schäkern: Nach einer Hand voll tollen Singles ist die Bilderbuch-Platte “Schick Schock” nun da, und löst alle Versprechen ein.

Unverschämte Ohrwürmer, anzüglicher Dada, wohltemperierter Trash. Dazwischen: englischsprachige (!) Raps über Softdrinks und, jawoll: Barry Manilow.

Ich sage: Mädel, komm mit mir da hin / Bling Bling Bling

Deutschsprachiger Indie, so locker aus der Hüfte.

Hören/Kaufen: spotify, iTunes

Die Idealmaschine: 25 Jahre Photoshop

Pickel entfernen ist gut, Ex-Lover raus-retuschieren ist besser.

Was wir der Werbung vorwerfen, betreiben wir doch selbst so gerne: idealisierte Abbilder schaffen, die wir wider besseres Wissen immer noch “Fotos” nennen.

Photoshop und seine smartphonigen Enkel haben den Prozess nur demokratisiert1, uns die Pinsel in die gedrückt, und oh, wir pinseln und filtern und beschneiden uns auf’s Selbstverständlichste.

Photoshop hat wie keine andere Software unser Bild vom Bild geprägt2:
Es ist, alles ist: gephotoshoppt3.

Wenn jemals so etwas wie die Unschuld des Bildes existiert hat4, dann hat Photoshop sie erobert, entjungfert und sitzengelassen. Und prahlt damit. Seit 25 Jahren.


  1. FourAndSix: “Photo Tampering throughout History” 
  2. Bezeichnend, wie sensationell dezidiert nicht-bearbeitete Kampagnen auftreten und wirken: Stern.de, “So sieht Cindy Crawford ohne Photoshop aus” 
  3. Und es gibt keinen Gegenbeweis. 
  4. Natürlich: Nein. 

Rubber

von Quentin Dupieux, 2010

Autoreifen auf Amoklauf: ein bösartiger Reifen namens Robert entdeckt seine telekinetischen Kräfte und massakriert jeden, der sich ihm in den Weg stellt – indem er aus der Distanz Köpfe explodieren lässt.

Diese wunderbar bescheuerte Prämisse ist aber nur Vorwand für eine Auseinandersetzung mit der Rolle des Publikums, (Horror-)Film-Klischees und Erzählstrukturen, und leider ist das alles nicht immer so souverän inszeniert wie das titelgebende Gummi: der Film verliert sich in prätentiösem Meta-Gehuber.

Trotzdem: Ein Fest des Absurden, ein Liebesbrief an B-Movies und ein süßer Stinkefinger an das Publikum.