Wetten, dass…?

Heute läuft “Wetten, dass…?” zum letzten Mal, und irgendwie fühlt sich das falsch an. Nicht, dass ich “Wetten, dass…?” in den letzten 10 Jahren auch nur einmal gesehen hätte, genoß ich doch die Sicherheit, “Wetten, dass…?” sehen zu können – sollte ich mal das Bedürfnis verspüren.

Es wäre wie immer: strunzdumm bis absurde Wetten, die ganz neue Kategorien der akuten Sinnlosigkeit erschliessen, deutsche “Stars” wie Veronica Ferres und Peter Maffay, die neue Schmock-Filme bzw. Schmock-Rock feilbieten, eine Handvoll irritierte Hollywood-Schauspieler, die stets “noch einen Flieger bekommen müssen und deshalb leider früher…”, und “Komiker” vom Schlage Mario Barths, die sich Hihi-Hoho durch abgestandene Geschlechter-Klischees haspeln.

Das ist/war die größte deutsche Show, angeknipste Lockerheit in leicht muffigen Kulissen.

Und ich schau’ sie heute wieder nicht, aber ich vermisse schon jetzt die Möglichkeit, sie irgendwann doch sehen zu können – früher oder später wird mich der nostalgische Schleier so weit umnachten, dass ich das ganze debile Spektakel ganz un-ironisch einfach sehen will. So wie früher. Wetten?

Food, INC

von Robert Kenner, 2008

Ordentliche Dokumentation über die Lebensmittelindustrie in den USA, als eine kurzweilige Übersicht über die Schweinereien1 von Monsanto & Co gut geeignet.


  1. Nichts gegen Schweine. 

Blu-äugig: Diese Kunst zerstört sich selbst

Photo via nerdcore.de

Photo via nerdcore.de

Kapitulation, Notbremse oder souveräne Geste der endgültigen Verhüllung? Street-Art-Künstler Blu liess gestern sein großformatiges Graffiti an der Cuvrybranche in Berlin schwarz übermalen, da Luxus-Appartments mit Ausblick auf das Werk geplant sind – vom Leuchtturm alternativer Kultur zur hippen Deko für Investment-Banker. Der neue Meeresblick, vielleicht.

Stellt sich die Frage: Wie weit reicht in Zeiten galoppierender Gentrifizierung die Verantwortung der Künstler? Im öffentlichen Raum zu arbeiten, ohne eine Exit-Strategie parat zu haben ist blauäugiges Gepinsel.

Aber es braucht noch mehr: einen integrierten Selbstzerstörungsmechanismus, im Idealfall: Nicht nur über eine Lunte verfügen, sondern Lunte sein.

Kunst, die sich nicht gehetzt in Nacht und Nebel der Konservierung und musealen Vereinnahmnung entzieht, sondern von Anfang an laut und deutlich tickt.

Dr. Google

Ich fliege gerade viel1. Und bin akut krank, was zu unschönen Hustenanfall-Verschluck-Versuchen führt (möchte ja wenn irgendwie vermeidbar nicht quer durch einen verdammt gut verschlossenen Metallzylinder rotzen).

Nun ist ja aber auch „Ebola in aller Munde“ (Merkur Online) und ich frage mich, was peinlicher ist:
Mein Gedanke, „Ebola Symptome“ zu googeln oder die Zeit die vergeht bis ich mich endlich traue es zu tun.2


  1. Nicht stolz drauf. 
  2. Keine Sorge übrigens: Dr. Google gibt Entwarnung. Halt ein Schnupfen und so. Rotz on. 

Erotik nicht inbegriffen

Pocket Lingo Screenshot

Die Reihenfolge macht total Sinn, dumm nur, dass man dafür zahlen soll.

Andererseits: wenn ich mir umgekehrt vorstelle, jemand aus der Ferne deutsch-radebrecht mir Lüsternes ins Ohr… In diesem Fall ist unbeholfene Drolligkeit u.u. nicht zweckdienlich1 und führt zu Missverständnis.

Vielleicht doch lieber einfach Handzeichen.


  1. Akzente wiederum, MeinLieberHerrGesangsverein, sind ein ganz anderes Thema. 

Die Arroganz des Westens

Und schon wieder bin ich in ein Land eingereist, ohne zumindest “Ja-Nein-Hallo-Bitte-Danke-Tschüss” in der Landessprache zu kennen.

Also: schon wieder bin ich genau der stumpfe Tourist1, auf den ich so gerne hinabschaue.


  1. Weitere Ignoranz-Indikatoren: keine Landeswährung _auf Tasche, keinen Reise-Adapter, Überraschung ob des Linksverkehrs 

YOU´RE DEAD!

von Flying Lotus, 2014

YOU´RE DEAD

Nach der wunderbare warmen, beständig splitternden Muschel “Until The Quiet Comes”1 folgt der kalkulierte kalte Hirnfick: Hipster-Jazz aufs Nervigste. Da wird gerappt, da wird gedudelt, aber keine gute Idee weit und breit.


  1. Hör dies, Welt. 

Hozier

von Hozier, 2014

Dachte nicht, dass mich eine milde pathetische Gitarrenplatte gerade so begeistern kann. Aber, Hui, hier ist Hozier und sein selbstbetiteltes Debüt.

Schattiger Blues-Rock irgendwo zwischen Jeff Buckley und den Black Keys.

Hören/kaufen: Spotify, iTunes

God´s Not Dead

Von Harold Cronk, 2014

God´s Not Dead

Ich bin ja fasziniert von der religiösen Rechten, diese spezielle Mischung aus kindischem Unfug, Wagenburg-Mentalität und Menschenverachtung hat die morbide Anziehungskraft eines Verkehrsunfalls. Auf mich, jedenfalls.

Deshalb sah ich heuer auch den Propaganda-Schinken “God´s not Dead“, der in Amerika verdammt erfolgreich1 in den Kinos lief. Und konnte dabei zusehen, wie der intellektuell-arrogante, atheistische Akademikerbösewicht zu jubilierenden Klängen einer Christian-Rock-Band2 von einem Auto umgemäht wurde.

Geschieht ihm recht. Und mir auch, denn für eine endgültige Meinung zu diesem Machwerk hätte der Trailer3 völlig ausgereicht.
Aber ich guck das ja für euch alle.


  1. https://en.wikipedia.org/wiki/God%27s_Not_Dead_(film)#Commercial_performance 
  2. http://newsboys.com 
  3. https://www.youtube.com/watch?v=bMjo5f9eiX8 

Ken Jebsen

Blasierter war die Apokalypse nie.1


  1. Ken Jensen betreibt das Bullshit-El Dorado “kenfm.de”. Ein Putin-Versteher, Isreal-Hasser, Verschwörungstheoretiker und selbstverlieber Phrasendrescher, der leider nur zu gut in diese Zeit passt.