Solo

von Nils Frahm, 2015

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Die Schönheit dessen, was Klaviertasten tun, wenn man sie streift, nicht drückt.

Der Untergang des Bahnenlandes

“Die da oben, wir da unten” ist ja eine beliebte Narrative, etwa: während der Finanzkrise werden die Konzerne gerettet, für die Menschen interessiert sich keiner1. Wenn aber Gewerkschaften nun tatsächlich einmal ihre Macht in die Waagschale werfen, um offensichtliche Ungerechtigkeit zu korrigieren, ist es mit der Solidarität nicht weit her: Diffamierungskampagnen, “Bahnsinn“, krakelende Wut auf die Falschen.

Ich bin ja für Gerechtigkeit – solange ich pünktlich bleibe.


  1. Völlig korrekt übrigens. 

Erdnussbutter

Im Gegensatz zum überdrehten Rangeschmeisse seiner nuttigen1 Großcousine Nutella bleibt Erdnussbutter gerne für sich, in der Regionalliga der Brotaufstriche.

Erdnussbutter hat keine schlechtschauspielernden Fußballer2 nötig, ja, noch nicht mal einen (Marken-)Namen. Erdnuss + Butter, das sagt alles, das reicht. Eins und eins zusammenzählen: Erdnussbutter ist sich selbst genug3.

Die gustatorische Sensation der Erdnussbutter hat seit meinen Kindheitstagen keine Schrammen abbekommen. Der dorftrottelige Auftritt, das fettglänzende Finish4? – Alles egal in ihrer cremigen Umarmung.

In einem Erdnussbutter-losen Haus will ich nicht hausen.


  1. See what i did there? 
  2. Nutella Werbung “Vorbild” auf youtube – Mats Hummels, Mesut Özil, Manuel Neuer, Benedikt Höwdes 
  3. Peanut Butter Jelly Sandwich: Blasphemie! 
  4. “Erdnussbutter enthält im Schnitt 2500 kJ (600 kcal) pro 100 g” (Quelle: Wikipedia

Black Mirror

von Charlie Brooker/Channel 4, 2011-2015

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Die nahe Zukunft, auf’s unangenehmste: die fantastische britische TV-Serie “Black Mirror” entlarvt die Heilsversprechen moderner Kommunikations- und Selbstoptimierungs-Technologien in knapp einstündigen, abgeschlossenen Episoden.

Alles weitere macht kaputt, keine weiteren Informationen, außer, versprochen:
Es wird sehr toll sehr schlimm.

To Pimp A Butterfly

von Kendrick Lamar, 2015

To Pimp A Butterfly

Keiner hätte sich beschwert, wenn Kendrick Lamar das bewährte “Short Film”-Konzept des (großartigen) 2012er Albums “good kid, m.A.A.d city” einfach wiederholt hätte.

Aber die Ambition, das wird schnell klar, ist eine andere: “To Pimp A Butterfly” ist Eine kunterbunte, genre-sprengende Selbstzerfleischung1. (Fast) frei von radio-tauglichen Singles, und ein umso stärkeres Statement.

Hören/Kaufen: spotify, iTunes.


  1. Aber immer noch: Hip Hop. Sehr guter. 

Ich wollte über den Echo 2015 schreiben, aber mir kam ein Oonagh dazwischen

Der Echo ist kein Kritikerpreis, der Echo ist kein Kritikerpreis.

Es gewinnt das, was am ranschmeissend-populärsten ist, eingängig ohne Würde, sich am meisten verkauft. Das, was am häufigsten in1 Radio-Sendern läuft, die sich ohne mit der Wellenform zu zucken “Sunshine Live” nennen und nur zu gerne für Hintergrund-dudelnde Verdummung geradestehen.

Also: Mehr Tapete als Musik.
Find´ich fair.

Ebenfalls fair: Das ich die Preisträger flugs und gnadenlos scanne, einsortiere, und folgend in meinen Blog schreitippe, wie tief wir gesunken sind. Alles ist bereit: Ich habe die Liste der Preisträger, das getreue youtube wartet geduldig im nächsten Browsertab, ich bin bereit zur rhetorischen Annihilation2.
Vier Echos? Zu gierig, Helene Fischer.

Aber ach, es kommt alles anders3. Es kommt Oonagh.

(mehr …)

Der letzte Angestellte

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von Alexander Adolph, 2010

Der Arbeitsplatz als Hort des Bösen: Dieser – sehr deutsch – zwischen Wohnung, KITA und Grossraum-Büro oszillierende Film1 kommt als nüchterner Psycho-Thriller daher, beinhaltet aber einige, nun, sehr unappetitliche Szenen.

Horror also, und das meist sehr effektiv. Und dankenswerter Weise auch ohne Auflösung, ohne kausalen Kuschelfaktor: Warum der Wahn, warum der Spuk? Keine Antwort, nur: Inferno. Und Büro.


  1. Eigentlich für´s Fernsehen produziert, Teil der oft sehr tollen Reihe “Das kleine Fernsehspiel” 

Scherz

Hinweis: Ich halte Veröffentlichungsdaten bei einem endgültigen Blog wie meinem für überflüssig. Zum ersten Mal sei es in diesem speziellen Fall aber angemerkt: 1.April 2015.

Manchmal ist es hilfreich, sich mit Herkunft eines Wortes zu beschäftigen.

Der Autor und Journalist Adolph Scherz (* 8. November 1891 in Gütersloh; † 1. April 1943 in Ingolstadt), hat mit seinen Zeitungs-Kolumnen und Karikaturen (“Scherze“) den Begriff populär gemacht1.

Leider wimmelt es im Scherz´schen Werk nur so von Fremden- und Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, dumpfem Nationalismus und Propaganda.

Aber heute ist sein Name Synonym für banale Witzchen – und Adolph Scherz lacht als Letzter.


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Scherz 

Im Sinkflug

Wer die Berichterstattung verfolgt, dem muss es grausen, aber nicht nur wegen der Details, sondern auch wegen der Methoden. Absturz und Presse: Je schlimmer, desto schlimmer1.

Egal wie verpixelt: fremdes Leid bleibt fremdes Leid2, es gibt kein Recht auf Anteilnahme.


  1. Bis auf wenige Ausnahmen. 
  2. Der Bildblog hat sich der unangenehmen Aufgabe angenommen, das ganze Elend zusammenzutragen: Mats Schönauer : “Absturz des Journalismus” 

Terry Pratchett

Ich kann nicht sagen, wie viele Terry Pratchett-Bücher ich in meiner Jugend gelesen habe, aber es gab eine Periode – keine Monate, Jahre! – in der ich fast ausschliesslich Terry Pratchett-Bücher las.

Ab einem gewissen Alter und konsumierter Menge verlieren die Eskapismus-Steilvorlagen von Fantasy-Szenarios ja ihren Reiz, Pratchett´s Scheibenwelt aber hielt mich bei der Stange: Mit einer Welt, die nicht nur satirische Züge trägt, sondern bereits im Kern eine teils harte, aber nie bösartige Abhandlung mit sehr menschlichen Absurditäten (Bürokratie, Religion, Militär, …) darstellt.

Ich würde gerne mit einem cleveren Zitat schließen, aber dazu müsste ich einen der Scheibenwelt-Romane noch mal in die Hand nehmen. Und lesen. Und vielleicht enttäuscht feststellen, dass die Scheibenwelt, die auf 4 Elefanten ruht, die wiederum von einer gigantischen Schildkröte durchs Weltall getragenen werden1, doch nicht so hinterwitzig glimmt wie in meiner Erinnerung.

Aber die Wahrscheinlichkeit, wird mir hier beim Schreiben klar, ist sehr gering.

Danke, Terry2.


  1. Und alles andere ist Blasphemie! 
  2. Sir Terence David John “Terry” Pratchett, 28.4.1948 – 12.3.2015