Die Idealmaschine: 25 Jahre Photoshop

Pickel entfernen ist gut, Ex-Lover raus-retuschieren ist besser.

Was wir der Werbung vorwerfen, betreiben wir doch selbst so gerne: idealisierte Abbilder schaffen, die wir wider besseres Wissen immer noch “Fotos” nennen.

Photoshop und seine smartphonigen Enkel haben den Prozess nur demokratisiert1, uns die Pinsel in die gedrückt, und oh, wir pinseln und filtern und beschneiden uns auf’s Selbstverständlichste.

Photoshop hat wie keine andere Software unser Bild vom Bild geprägt2:
Es ist, alles ist: gephotoshoppt3.

Wenn jemals so etwas wie die Unschuld des Bildes existiert hat4, dann hat Photoshop sie erobert, entjungfert und sitzengelassen. Und prahlt damit. Seit 25 Jahren.


  1. FourAndSix: “Photo Tampering throughout History” 
  2. Bezeichnend, wie sensationell dezidiert nicht-bearbeitete Kampagnen auftreten und wirken: Stern.de, “So sieht Cindy Crawford ohne Photoshop aus” 
  3. Und es gibt keinen Gegenbeweis. 
  4. Natürlich: Nein. 

Rubber

von Quentin Dupieux, 2010

Autoreifen auf Amoklauf: ein bösartiger Reifen namens Robert entdeckt seine telekinetischen Kräfte und massakriert jeden, der sich ihm in den Weg stellt – indem er aus der Distanz Köpfe explodieren lässt.

Diese wunderbar bescheuerte Prämisse ist aber nur Vorwand für eine Auseinandersetzung mit der Rolle des Publikums, (Horror-)Film-Klischees und Erzählstrukturen, und leider ist das alles nicht immer so souverän inszeniert wie das titelgebende Gummi: der Film verliert sich in prätentiösem Meta-Gehuber.

Trotzdem: Ein Fest des Absurden, ein Liebesbrief an B-Movies und ein süßer Stinkefinger an das Publikum.

Verpasste Chancen: Als ich Björk im Burger King traf

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Björk-Albums: Eine schlampig redigierte Kurzgeschichte von ca. 2004.

Neulich, zwischen zwei Burgern, da traf ich Björk.

“Björk, alte Knister-Elfe,” sprach ich, „was machst denn DU hier?”. Björk sah noch nicht einmal auf. Sie trug ein sehr Björk-artig elaboriertes Gewand, knabberte gedankenverloren an einem Chickendingens und trommelte dabei komplexe Rhythmen auf das Tablett.

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mubi

mubi

mubi1 klingt super: 30 Filme pro Monat, kein bescheuertes “mehr als eine quadrillion Filme“-Gerangel, stattdessen: eine klug kuratierte, rotierende Auswahl aus Arthouse-Kino, wohlgepflücktem Trash und Klassikern… und all das: für ein paar Euro2 im Monat.

Und mubi ist genau so. Aber es ist nicht empfehlenswert.

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Yours and mine

von Beyoncé, 2014

“A retrospective short film celebrating the one-year anniversary of the self-titled visual album, BEYONCÉ.”

Endlich ist ein Video da für uns alle, die wir das einjährige Jubiläum der Veröffentlichung des fünften Beyoncé-Albums ihrerselbst (also Beyoncé-)würdig begehen wollen.

We need something real“, hauchspricht die Beyoncé, während ordinäres Wasser nur sehr, sehr widerwillig von ihrem Leib perlt.

You have to have something that is forever” gurrt sie und räkelt sich, und die Wucht dieser Worte wird nur noch übertroffen vom beyoncé-schen Gurräkel.

Happiness comes from you. No-one else can make you happy” offenbart sie uns, und da fällt es uns endlich wie Stern-Schuppen von den weit aufgerissenen Augen, die immer noch an ihrem königlichen Hintern kleben:

Ja, Beyoncé, Ja! Es ist so einfach!

Und Jay-Z raucht eine Zigarre, denn die Welt war gerettet.

Wenn´s Spass macht, ist´s dann noch Demo?

Köln protestiert gegen “PEGIDA”1, und wie so oft in Köln wird´s eine schunkelig-schulterklopfende Veranstaltung. Letzteres aber finden einige aber so gar nicht legitim:

“Musste das sein, mal wieder eine Protestparty, nur weil ein paar unverbesserliche durch das Millionendorf am Rhein ziehen wollen?” – Frank Überall im NDR Kommentar2

Ja, auf den unvermeidlichen Höhner3-Auftritt hätte ich auch gerne verzichtet. Und ja, der Kölsche an sich ist regelmässig schier beschwipst ob seiner/ihrer eigenen Toleranz.

Aber soll denn nun in sauertöpfischem Selbst-Hass/betroffener Lichterkettigkeit in der Kälte herumgestanden, oder besser noch: im warmen Zuhause geblieben werden, unter fadenscheiniger Protestverdunkelung, während Idiotie die Strassen flutet?

Nääää.

Der Stil des Protestes mag nicht jedem munden – aber deshalb ist er nicht weniger aufrichtig (und weniger Wert).

Ein bisschen mehr Toleranz für das Kölsche im kölschen Protest für mehr Toleranz, bitte.

Wenn´s am schönsten ist…

…sollte man dringend weiter machen.

Denn ob es bereits am schönsten war ist ja erst durch den Umstand festzustellen, daß es wieder bergab geht.

Vielleicht also:
Wenn's gerade eben sehr schön war und nun langsam etwas weniger schön wird, dann, aber auch erst dann: einfach selig nach Hause schlendern.

Vorsätze

Vorsätze sind die Rolls Royce unter den Todo-Listen: tonnenschwer, absurd im Verbrauch und mit einer Frau1 an der Spitze.


  1. Mir ist leider keine Auto-Marke bekannt, deren Kühlerfigur alle möglichen Präferenzen abdeckt. Ist ja auch mein Bild.