Weiner

2013: Anthony Weiner ist ein junger US-Politiker mit reichlich Energie und Charisma, der Bürgermeister von New York werden will. Leider hat er eine Affäre am Hals: Der verheiratete Demokrat schickte ein Photo seines erigierten Penis´1aus Versehen nicht an eine schlüpfrige Online-Bekanntschaft, sondern an die weltweite Twitter-Gemeinde. Ups.

So der Rahmen dieser Politik-Dokumentation, die glücklicherweise wenig an schlüpfrigen Details und selbstgerechter Moralisierung interessiert ist: Die Filmemacher begleiten Weiner auf Schritt und Tritt durch die Höhen und Tiefen seines Wahlkampfes und geben ihm in entblössenden Interviews die Chance, diese einzuordnen. Und ja, sein Name wird im englischen „Wiener“ ausgesprochen.

Weiner – IMDb / Weiner auf Justwatch


  1. Immerhin: Von Unterbuchse verhüllt! 

1992

Princess Nokia ist eine junge New Yorker Rapperin1, die den Satz „My little titties and my phat belly “ in einen feministischen Schlachtruf (und verdammten Ohrwurm) verwandelt hat. Die Beats ihres Debüt-Albums können da leider nicht immer mithalten: Musikalisch ist das teils direkt aus einem ausgeleierten Hip-Hop-Klischee-Setzkasten. Aber die Attitüde! Und das Talent!

Wenn´s Gerechtigkeit gibt, wird sie Star2.

It’s a guarantee that he won’t forget me / My body little, my soul is heavy

Download: „1992“ von Princess Nokia.


  1. Princess Nokia Is The Feminist Rapper You Should Know | Sound Off | Refinery29 – YouTube 
  2. Und hat ein ganzes Album voll mit tollen Produktionen wie „Tomboy“. 

The Daily

Die Trump-Administration ist ein Autocrash in Zeitlupe, eine faszinierende Studie in Dilettantismus und Ignoranz. Perfektes Popkorn-Futter, wär´s nicht gleichzeitig so beängstigend.

Eine Übersicht über die zahllosen Affären zu behalten ist nicht gerade einfach, hier meine Empfehlung: „The Daily“, der tägliche Politik-Podcast der New York Times1. Die ist ein liberales Blatt, aber hier wird definitiv kein blödes Trump-Bashing betrieben: der Autor ist merklich um unaufgeregte Objektivität und Einordnung bemüht. Journalismus eben.

The Daily Website / Podcast auf iTunes


  1. Ja, es gibt auch andere Politik-Themen als Trump. Wenn dieser gerade mal nix anstellt. 

Get Out

„Wissen deine Eltern…“ fragt der Fotograf Chris seine Freundin Rose, kurz bevor sie zum Erstbesuch bei ihren Eltern aufbrechen, „…nun… dass ich schwarz bin?“.

„Warum? Warum müssen Sie das wissen?“ antwortet Rose.

Der muskulöse, clevere und sagenhaft unterhaltsame Horror-Film des US-Komikers Jordan Peele untersucht Spielarten des Rassismus in einem weissen Vorort: von unbeholfenem Small-Talk („ich hätte zum dritten Mal für Obama gestimmt, ich liebe Obama“) über Racial Profiling bis hin zu einer besonders perfiden Form moderner Sklaverei — und ist dabei witziger als fast alles, das unter der Kategorie „Komödie“ gerade ins Kino gespült wird.

Absolute Empfehlung1.

Get Out (2017) – IMDb / „Get Out“ läuft gerade im Kino2.


  1. Eine gewisse Gewalt-Toleranz vorausgesetzt. Es wird blutig. 
  2. Unbedingt in Original-Fassung oder OmU gucken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Film in Übersetzung nicht verliert. 

Pleasure

Ein Lied der kanadischen Singer-Songwriterin Feist diente 2012 einmal als Soundtrack eines beschwingten Apple-MP3-Player-Werbespots1. Seitdem ist einige Zeit vergangen, MP3-Player sind verschwunden und Feist hat unbehelligt von weiteren Werbeverträgen einfach weiter tolle Platten gemacht.

Humanz

„Gorillaz“ sind ein Pop-Kuriosum. Eine Zeichentrick-Band groovt sich durch ihr postapokalyptisches Disneyland-Universum — das Konzept versprach eigentlich eher einmaligen experimentellem Eskapismus als musikalische Substanz. Aber dann produzierten „Tank Girl“ Schöpfer Jamie Hewlett und Blur-Mastermind Damon Albarn ein famoses Album1 nach dem anderen2.

Ganz so famos wie der Rest der Diskographie ist das nach längerer Pause entstandene „Humanz“ nun nicht, es ist eine kompetent produzierte, aber erstmals wenig einfallsreiche Bühne für Gast-Stars wie De La Soul, Benjamin Clementine, Vince Staples und Grace Jones3.

„Humanz“ sind vielleicht einfach einen Tick langweiliger.

Spotify / Apple Music


  1. Und famoses Video! 
  2. Das dröge „The Fall“ ist die unrühmliche Ausnahme. 
  3. Hell yeah! 

Rezension der Top-Kundenrezensionen zu Söhne Mannheims: „MannHeim“, 2017

Die Söhne Mannheims haben schon wieder eine Platte vollgespielt mit Hochglanz-Radio-Pop und religiösem Pathos. Aufregung herrscht rund um den Song „Marionetten“, der Demokratie-feindlichen Verschwörungs-Stuss beinhaltet. Das kann Mensch in der Presse nachlesen1, aber wer gibt dem von der Lügenpresse gebeutelten Amazon-Rezensions-Volk endlich eine Stimme? Onkel Flori natürlich. Eine Rezension der Rezensionen.