Vorsätze

Vorsätze sind die Rolls Royce unter den Todo-Listen: tonnenschwer, absurd im Verbrauch und mit einer Frau1 an der Spitze.


  1. Mir ist leider keine Auto-Marke bekannt, deren Kühlerfigur alle möglichen Präferenzen abdeckt. Ist ja auch mein Bild. 

Jorge Mario Bergoglio

By Alfredo Borba (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Ist ein alter Mann, der freundlicher, weniger verwirrt und vor allem williger scheint, Missstände zu benennen als sein Vorgänger. Aber bei aller Sympathie für das, was der mediale Zirkus uns nahelegt, bitte nicht vergessen:

Er ist Papst1.


  1. Und da kann er sich noch so abstrampeln: Dieser bizarre Apparat mag unter seiner Führung endlich christlicher mit Homosexuellen, Frauen und Wiederverheirateten(!) umgehen – aber das Problem bleibt der Apparat an sich. 

Fick PEGIDA

Huch! Ist das noch Deutschland hier, rauscht es aufgeregt, und jetzt wird “ernst genommen”, “sehr”. Die Aufmärsche, die Angst, und damit letzten Endes auch die dreist-dummen Thesen über Medien, Asylanten, Muslime.

Dabei wird doch nur gerade in einer bizarren Mischung aus Opfer-Stilisierung, Ignoranz und trotzigem Selbstbewusstsein auf die Strasse getragen, was ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung schon lange denkt[1]. Die sind nicht das, aber auch das Volk, leider.

Trotzdem: Idiotie, so tief sie auch in den Schädeln haust, ist nicht ansteckend. Statt Dikussion zu führen mit und über Menschen die glauben, verhätschelte Luxus-Asylanten äßen deutschen Rentnern den Christstollen weg, sollte spätestens an dieser Stelle das Ernstnehmen eingestellt werden, das adelt diesen Quark doch nur.

Also totschweigen und leise Kotzen?

Ne. “Arsch huh, Zäng ussenander[2] heisst es in Köln, und das ist hübsch derb und fern jeder besorgt-distanzierenden Maybritt-Illner-“Die Menschen da draussen”-Rhetorik.

Sprich: Fick dich, #PEGIDA.

Wir haben keine diffusen Ängste – was ihr fürchtet, leben wir jeden Tag, und es ist gut. Nicht immer optimal, aber oft überraschend, teils sexy, manchmal irritierend, aber nie: so eklig wie eure stumpfen Banner.


  1. Friedrich-Ebert-Stiftung: „Mitte-Studie 2012“  ↩
  2. AG Arsch huh  ↩

Do they know it´s Christmas

Jawohl, im Jahr 2014 wird ein Lied über „die“ hilflosen Afrikaner eingespielt, die vor lauter Ebola-Elend gar nicht mitbekommen, dass es Weihnachtszeit ist. Also schulterklopft und knödelt sich das Dümmste der hiesigen Musiklandschaft1 durch die deutsche Version eines Liedes, das schon vor 30 Jahren2 nur eines war:
paternalistische Scheisse im Sülzmantel.


  1. Schade: Die von mir sehr geschätzten Marteria, Thees Uhlmann, Joy Denalane und Jan Delay hab ich wohl leider über schätzt. 
  2. Band Aid 1984 auf Youtube 

Wetten, dass…?

Heute läuft „Wetten, dass…?“ zum letzten Mal, und irgendwie fühlt sich das falsch an. Nicht, dass ich „Wetten, dass…?“ in den letzten 10 Jahren auch nur einmal gesehen hätte, genoß ich doch die Sicherheit, „Wetten, dass…?“ sehen zu können – sollte ich mal das Bedürfnis verspüren.

Es wäre wie immer: strunzdumm bis absurde Wetten, die ganz neue Kategorien der akuten Sinnlosigkeit erschliessen, deutsche „Stars“ wie Veronica Ferres und Peter Maffay, die neue Schmock-Filme bzw. Schmock-Rock feilbieten, eine Handvoll irritierte Hollywood-Schauspieler, die stets „noch einen Flieger bekommen müssen und deshalb leider früher…“, und „Komiker“ vom Schlage Mario Barths, die sich Hihi-Hoho durch abgestandene Geschlechter-Klischees haspeln.

Das ist/war die größte deutsche Show, angeknipste Lockerheit in leicht muffigen Kulissen.

Und ich schau‘ sie heute wieder nicht, aber ich vermisse schon jetzt die Möglichkeit, sie irgendwann doch sehen zu können – früher oder später wird mich der nostalgische Schleier so weit umnachten, dass ich das ganze debile Spektakel ganz un-ironisch einfach sehen will. So wie früher. Wetten?

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Blu-äugig: Diese Kunst zerstört sich selbst

Photo via nerdcore.de
Photo via nerdcore.de

Kapitulation, Notbremse oder souveräne Geste der endgültigen Verhüllung? Street-Art-Künstler Blu liess gestern sein großformatiges Graffiti an der Cuvrybranche in Berlin schwarz übermalen, da Luxus-Appartments mit Ausblick auf das Werk geplant sind – vom Leuchtturm alternativer Kultur zur hippen Deko für Investment-Banker. Der neue Meeresblick, vielleicht.

Stellt sich die Frage: Wie weit reicht in Zeiten galoppierender Gentrifizierung die Verantwortung der Künstler? Im öffentlichen Raum zu arbeiten, ohne eine Exit-Strategie parat zu haben ist blauäugiges Gepinsel.

Aber es braucht noch mehr: einen integrierten Selbstzerstörungsmechanismus, im Idealfall: Nicht nur über eine Lunte verfügen, sondern Lunte sein.

Kunst, die sich nicht gehetzt in Nacht und Nebel der Konservierung und musealen Vereinnahmnung entzieht, sondern von Anfang an laut und deutlich tickt.

Dr. Google

Ich fliege gerade viel1. Und bin akut krank, was zu unschönen Hustenanfall-Verschluck-Versuchen führt (möchte ja wenn irgendwie vermeidbar nicht quer durch einen verdammt gut verschlossenen Metallzylinder rotzen).

Nun ist ja aber auch „Ebola in aller Munde“ (Merkur Online) und ich frage mich, was peinlicher ist:
Mein Gedanke, „Ebola Symptome“ zu googeln oder die Zeit die vergeht bis ich mich endlich traue es zu tun.2


  1. Nicht stolz drauf. 
  2. Keine Sorge übrigens: Dr. Google gibt Entwarnung. Halt ein Schnupfen und so. Rotz on. 

Erotik nicht inbegriffen

Pocket Lingo Screenshot

Die Reihenfolge macht total Sinn, dumm nur, dass man dafür zahlen soll.

Andererseits: wenn ich mir umgekehrt vorstelle, jemand aus der Ferne deutsch-radebrecht mir Lüsternes ins Ohr… In diesem Fall ist unbeholfene Drolligkeit u.u. nicht zweckdienlich1 und führt zu Missverständnis.

Vielleicht doch lieber einfach Handzeichen.


  1. Akzente wiederum, MeinLieberHerrGesangsverein, sind ein ganz anderes Thema. 

Die Arroganz des Westens

Und schon wieder bin ich in ein Land eingereist, ohne zumindest „Ja-Nein-Hallo-Bitte-Danke-Tschüss“ in der Landessprache zu kennen.

Also: schon wieder bin ich genau der stumpfe Tourist1, auf den ich so gerne hinabschaue.


  1. Weitere Ignoranz-Indikatoren: keine Landeswährung _auf Tasche, keinen Reise-Adapter, Überraschung ob des Linksverkehrs