Erdogan v Böhmermann: Dawn of Justice

ErdoganvBöhmermann - Dawn of Justice

Ein Lobgedicht1.

Entlarvend ist´s, Absurdistan
Der Rechtsstaat keult für Erdogan
Die große Frage, was heisst „frei“
Dank einer kleinen Pöbelei
Mein Fazit wäre schlicht zu sagen:
Man muss mehr Schrumpelklöten wagen


  1. Ich weiß, das ist kein guter Job / Nur 10 Minuten Photoshop 

Huffington Post

Wer sich am Kiosk mit Blick auf das BILD1-Titelblatt denkt:
Hach, ich wünschte es gäbe so ein dreist-dummes Sensationsgeschmiere auch eher links und ein wenig hip, dem sei die Huffington Post ans Herz gelegt.

Journalistisches Kronjuwel der „HuffPost“ ist ohne Frage der Bereich „Blogs“2, der exemplarisch mit folgendem Klick-Mich-Fick-Dich Beitrag aufwartet:

Screenshot: Facebook
Screenshot: Facebook

„Xavier Naidoo und Heino schmeißen die Party bei der AfD“ heisst er frisch verlinkt bei Facebook, der eigentliche Artikeltitel ist dann nicht ganz so unverschämt falsch, aber immer noch irreführend: „Xavier Naidoo + Heino = Disko bei der AfD“, garniert mit einem Photo des AfD-Sprechers und „Afrikanischer Ausbreitungstyp“-Arschgeige3 Björn Höcke.

Xavier Naidoo4 und Heino5 sind nun Unsinns nicht unverdächtig, haben aber wohl eher doch keine „Party bei der AfD“ geschmissen – der Artikel verliert jedenfalls kein Wort mehr dazu.

Stattdessen werden musikalische Präferenzen von AfD-Wählern ausgebreitet. Und dabei ausführlichst YouGov, „ein Produkt zur Analyse von Marken und Zielgruppen“ zitiert, erwähnt (6x) und verlinkt6 (3x). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, etwa:
Autor und YouGov-Marketing-Manager Philipp Schneider.


  1. Selbstzuschreibung: „Zeitung“ 
  2. Selbstzuschreibung: „Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk“ 
  3. Geyer, Steven, Berliner Zeitung: „Lebensbejahender afrikanischer Ausbreitungstyp“ AfD-Spitze rügt Höckes Rassenkunde-Referat als parteischädigend“ 
  4. Songtitel: „Der Herr knickt alle Bäume“ 
  5. Songtitel: „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ 
  6. Eine Verlinkung unterlasse ich hier aus offensichtlichen Gründen. 

Fick Gott

Heuer war ich im schönen Wien unterwegs, ich lustwandelte durch den ganzen alten wunderbaren Prunk gen Museumsquartier, als mich, direkt an der Karlskirche, ein zerbrechlich wirkender alter Mann ansprach.

„Können Sie deutsch“, fragte er, und ich bejahte wahrheitsgemäß und blieb stehen.

Paulo Coelho trennt seinen Müll nicht und schummelt beim Scrabble

Paulo-Coelho-Quotes-4

Ich hab ja nichts gegen Paulo Coelho1, ich find´s total fein wenn Menschen Bücher vollschreiben, denn die können ja mühelos zugeklappt und ins Regal gestellt werden wo sie schadlos ruhen. Und ebendiese Regale liefern bei Erst-Besuchungen auf einen Blick untrügliche Indizien zum (im wahrsten Sinne des Wortes!) Geistes-Zustand des/der Besitzer*In 2.

Aber zurück zu Paulo Coelho. Dessen Ergüsse bleiben nun leider nicht zugeklappte stille Warnung, sie quellen auf das kitschigste bebildert aus allen Ritzen und verstopfen die Newsfeeds der Welt mit schreiendem Banal.

Aber wie dem begegnen? Natürlich mit der hinterfotzigsten aller Strategien, der bösartigen Diskreditierung.

Ich lüge also dreist:
Paulo Coelho trennt seinen Müll nicht und schummelt beim Scrabble

Und so:

Paulo Coelho3

Share like there´s no tomorrow4.


  1. Jepp: Das wird ein Snob-Beitrag. Proceed with caution
  2. Die Sensation eines zerlesenen eines Merve-Verlag-Buches! 
  3. Abbildungen: „Paulo-Coelho-Quotes-4“ via www.rugusavay.com, „Mangrove Safari-Sunset“ via flickr 
  4. „Do not ask permission. Do it now and – if necessary – regret tomorrow.“ – Paulo Coelho, The Zahir 

Angeschwemmt

Heute, direkt nach dem Aufwachen, da schrieb ich ein Gedicht über ein Ai Weiwei-Photo1. Ja, es ist einer dieser Dienstage2.

Ai Weiwei-Rohit Chawla for India Toda

Da liegt er
wiegt er sich
der Künstler
im warmen Licht
im schönen Licht
An seinen Körper
reicher Welten
Wellen reichen
an ihn nicht


  1. Rohit Chawla for India Today: Chinese artist Ai Weiwei imitating the lifeless body of Syrian toddler Alan Kurdi on the Greek Island of Lesbos. Via Chinese artist Ai Weiwei poses as a drowned Syrian refugee toddler – The Washington Post 
  2. Zum Hintergrund: For photo op, Ai Weiwei poses as dead refugee toddler from iconic image – Frontpage – e-flux conversations 

Helmut Schmidt, Tinder & eine hastige Medienkritik (in 170 Worten)

„Ich las vom Tode Helmut Schmidts“ hätte ich gerne geschrieben, aber statt am nächsten Morgen einen würdevollen (und würdigen) Bericht aus dem Briefkastenschlund zu fischen konnte es mein Telefon nicht abwarten.

So sterben Berühmtheiten heute, das iPhone pingpong-virbriert stolz eine instant Notification, eingerahmt von Tinder1, Twitter2 und Todo-Liste3.

Jedenfalls: Tot ist er, verkündet SpOn, und mein aller-aller-erster Gedanke war weniger medien-konsum-kritischer (oder gar politischer4) Art, sondern dumm-dreist folgender:

Jetzt ist der dahin: der Fels in der braun-gelben Brandung des Rauchens. Der so selbstverständlich rauchte, wo niemand sonst rauchte, ja, Aschenbecher und Augenaufschlag erwarteten ihn, wohin er auch ging , bzw. in späteren Jahren: rollte.

Und jetzt, wo er tot ist: Da werden die Ernst machen. Die Vernünftigen. Die im Recht. Dem Spuk ein Ende. Es hat sich ausgeraucht in Deutschland.

Weg mit diesem sagenhaften Unsinn, dem Rauchen, durchzuckte es mich, mit der Notification noch warm auf dem Display.

Dann pingpong-vibrierte mein Telefon erneut. Es war Tinder. Eine Raucherin.


  1. Tinder: Hält meist, was es verspricht. 
  2. Twitter: Ich verstehe das Versprechen nicht, nehme aber teil. 
  3. Todo-Liste: Ich verspreche mir selbst grundlos viel zu viel. Es ist zum Verzweifeln. 
  4. Ich habe die Zeit-Interviews mit Helmut Schmidt immer genossen, oft begleitete einen sehr hellen Kopf aber auch eine halsstarrige Ader. Aber danke für die klaren Worte. 

Für Deutschland singen

Deutschland kann nicht singen1, also muss jemand für Deutschland singen, beim Eurovision Song Contest, dem jährlichen Musik-Event für alle, die keine Musik mögen.

Diesmal singt das Mannheimer Pop-Irrlicht Xavier Naidoo, das hat die ARD so beschlossen2. Und ich muss sagen: Hut ab, öffentlich-rechtliche Unterhaltungs-Redaktion! Passender ist nicht.

Leicht wehleidig, auf jeden Fall pathetisch, rückwärts gewandt, mit den Falschen auf der Strasse3, empfänglich für Verschwörungstheorien, ein krudes Weltbild mit stolzgeschwellter Brust vor sich her tragend – Deutschland, 2015.

Alleine der Gesang: Viel zu harmonisch für dieses Deutschland.

Ein ganz wunderbarer Bayer

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sitzt wohlgelaunt bei „hart aber fair“ und nennt Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger1, der vielen Deutschen wunderbar gefallen hat.“ – jovialer Rassismus der untersten Schublade.

Es ist eine Sache, so eine Bracke ein mal geisteskurzschlüssig in die Welt zu kübeln, aber am nächsten Tag sitzt Joachim Herrmann wohlgelaunt beim ZDF-Morgenmagazin und entblödet sich nicht, das Ganze bereitwillig (inklusive dem Wort „Neger“) zu wiederholen.

Kolonialismus im Kopf. Ich möchte kübeln2.

„Ein ganz wunderbarer Bayer, der vielen Deutschen wunderbar gefallen hat. In gesamtdeutschen Talkshows sitzen auch jede Menge mit bajuwarischem Hintergrund.“


  1. Es macht keine Freude, aber ja, ich gebe das hier wieder. Der Comedian Louis C.K. hat mal fantastisch auf den Punkt gebracht, warum. 
  2. Weiterlesen: Bei weitausmehr.de gibt´s das selbe Thema in reflektiert