
Nach drei Stücken bin ich begeistert, nach sieben gelangweilt: Die versammelte Cleverness der Texte (und oh, sind sie clever!) des sarkastischen Barden Father John Misty kann nicht wett machen, dass das Ganze musikalisch auf der Stelle tritt.
Florian Egermann, Medienkünstler, Aktivist und Astronaut trennt popkulturelle Spreu vom Weizen

Nach drei Stücken bin ich begeistert, nach sieben gelangweilt: Die versammelte Cleverness der Texte (und oh, sind sie clever!) des sarkastischen Barden Father John Misty kann nicht wett machen, dass das Ganze musikalisch auf der Stelle tritt.

Nach den minimalistischen Song-Gerüsten des1 Debüts „Pure Heroine“ schöpft die Neuseeländerin nun aus dem Vollen: Disko, R&B, Beats & pathosgeladene2 Balladen. Deutlich bunter, also, aber wenig beliebig und meist geglückt. Plus: Lorde´s fantastische Stimme und raue Offenheit retten auch die schwächeren Stücke. Völlig verdient so populär.

Leichtfüßig im Niemandsland zwischen Thriller und Komödie, toll gespielt, herausragender Soundtrack. Wir beobachten ein Paar bei dem Versuch, während eines Ausflugs ihre Ehe zu retten. Das ist nicht einfach, und dann wird es kompliziert. Die Potentiale des Twists werden leider ein wenig verschenkt.

„Bravado“ ist ein Album, das abwechselnd nach Dire Straits und Van Halen, nach 80s-Ballade und Euro-Dance klingt1 – ein lustvoller Angriff auf Geschmacksgrenzen.
Aber Callinan ist kein Witzbold, sondern Musikant2 – hinter3 dem Vokuhila-Vorhang erwartet abenteuerlustige Hörer*innen eine wunderbare Scheiss-auf-Konventionen-Attitüde und tolle Songs.
Apple Music / Spotify / Video: „SAD“ auf youtube

Harry Styles war mal in einer Boyband1. Mir Wurscht2, vor allem als ich „Sign of the Times“ hörte, diesen fantastischen Schmachtfetzen, der mich neugierig machte auf das Solo-Debüt.
Nun, es gibt leider kaum weitere Highlights. Und, erschreckend: Die muffelige Dad-Rock-Schnarchigkeit, die sich über weite Strecken breit macht. Wie alt ist der Mann? 23? Punk ist was anderes, Sturm und Drang auch. Ein Soundtrack für den ersten Bausparvertrag.

Die besten1 Horrorfilme handeln nur vordergründig von Monstern oder Zombies: alle hypernatürlichen Erscheinungen manifestieren den alltäglichen sozialen 2 Terror, die Fratze im Spiegel ist die unsere.
So auch in Babak Anvaris klaustrophobischem „Under the Shadow“, in dem eine junge Frau und ihre Tochter im post-revolutionären Iran der Achtziger Jahre von einem bösen Geist heimgesucht werden.
Under the Shadow (2016) – IMDb / Under the Shadow bei Justwatch

Obwohl die Veranstaltung in einer beschaulichen, bürgerlichen Hansestadt ausgerichtet wurde, die teilnehmenden Staatschef*innen allesamt aufrechte Demokraten waren und die Polizei sich auffällig zurück hielt, gab es zahlreiche Ausschreitungen.
Was ein Ärger aber auch1.

2013: Anthony Weiner ist ein junger US-Politiker mit reichlich Energie und Charisma, der Bürgermeister von New York werden will. Leider hat er eine Affäre am Hals: Der verheiratete Demokrat schickte ein Photo seines erigierten Penis´1aus Versehen nicht an eine schlüpfrige Online-Bekanntschaft, sondern an die weltweite Twitter-Gemeinde. Ups.
So der Rahmen dieser Politik-Dokumentation, die glücklicherweise wenig an schlüpfrigen Details und selbstgerechter Moralisierung interessiert ist: Die Filmemacher begleiten Weiner auf Schritt und Tritt durch die Höhen und Tiefen seines Wahlkampfes und geben ihm in entblössenden Interviews die Chance, diese einzuordnen. Und ja, sein Name wird im englischen „Wiener“ ausgesprochen.
Weiner – IMDb / Weiner auf Justwatch