Ich vermisse Sepp Blatter

Wir brauchen mehr Blatters in Organisationen, die sich als unverzichtbar begreifen. Die Interessenvertretung hinab vom Elfenbeinturm betreiben, voll fettbäuchiger Arroganz wissen, was das Richtige ist1.

Mit einer Blatter an der Spitze war dieses Wesen nicht zu ignorieren, nun ist der medial aufgebauschte Bösewicht geopfert und es wird sich wieder arrangiert.

Also, bitte, Sepp! Komm´ zurück! Wir brauchen rote Tücher.


  1. Siehe auch: (katholische) Kirche, IOC, Bush-Administration, ADAC. 

Niederlage für die Menschheit

„Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“
– Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin1

Hat jemand ernsthaft geglaubt, Franziskus würde frischen Wind bringen? Bei dieser menschenfeindlichen Rhetorik: Ein Trugschluss.

Da wird sich gar nichts ändern, bis es sich früher oder später ausgepapstet hat.

Der Untergang des Bahnenlandes

„Die da oben, wir da unten“ ist ja eine beliebte Narrative, etwa: während der Finanzkrise werden die Konzerne gerettet, für die Menschen interessiert sich keiner1. Wenn aber Gewerkschaften nun tatsächlich einmal ihre Macht in die Waagschale werfen, um offensichtliche Ungerechtigkeit zu korrigieren, ist es mit der Solidarität nicht weit her: Diffamierungskampagnen, „Bahnsinn„, krakelende Wut auf die Falschen.

Ich bin ja für Gerechtigkeit – solange ich pünktlich bleibe.


  1. Völlig korrekt übrigens. 

Black Mirror

von Charlie Brooker/Channel 4, 2011-2015

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Die nahe Zukunft, auf’s unangenehmste: die fantastische britische TV-Serie „Black Mirror“ entlarvt die Heilsversprechen moderner Kommunikations- und Selbstoptimierungs-Technologien in knapp einstündigen, abgeschlossenen Episoden.

Alles weitere macht kaputt, keine weiteren Informationen, außer, versprochen:
Es wird sehr toll sehr schlimm.

Scherz

Hinweis: Ich halte Veröffentlichungsdaten bei einem endgültigen Blog wie meinem für überflüssig. Zum ersten Mal sei es in diesem speziellen Fall aber angemerkt: 1.April 2015.

Manchmal ist es hilfreich, sich mit Herkunft eines Wortes zu beschäftigen.

Der Autor und Journalist Adolph Scherz (* 8. November 1891 in Gütersloh; † 1. April 1943 in Ingolstadt), hat mit seinen Zeitungs-Kolumnen und Karikaturen („Scherze„) den Begriff populär gemacht1.

Leider wimmelt es im Scherz´schen Werk nur so von Fremden- und Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, dumpfem Nationalismus und Propaganda.

Aber heute ist sein Name Synonym für banale Witzchen – und Adolph Scherz lacht als Letzter.


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Scherz 

Die Idealmaschine: 25 Jahre Photoshop

Pickel entfernen ist gut, Ex-Lover raus-retuschieren ist besser.

Was wir der Werbung vorwerfen, betreiben wir doch selbst so gerne: idealisierte Abbilder schaffen, die wir wider besseres Wissen immer noch „Fotos“ nennen.

Photoshop und seine smartphonigen Enkel haben den Prozess nur demokratisiert1, uns die Pinsel in die gedrückt, und oh, wir pinseln und filtern und beschneiden uns auf’s Selbstverständlichste.

Photoshop hat wie keine andere Software unser Bild vom Bild geprägt2:
Es ist, alles ist: gephotoshoppt3.

Wenn jemals so etwas wie die Unschuld des Bildes existiert hat4, dann hat Photoshop sie erobert, entjungfert und sitzengelassen. Und prahlt damit. Seit 25 Jahren.


  1. FourAndSix: „Photo Tampering throughout History“ 
  2. Bezeichnend, wie sensationell dezidiert nicht-bearbeitete Kampagnen auftreten und wirken: Stern.de, „So sieht Cindy Crawford ohne Photoshop aus“ 
  3. Und es gibt keinen Gegenbeweis. 
  4. Natürlich: Nein. 

Wenn´s Spass macht, ist´s dann noch Demo?

Köln protestiert gegen „PEGIDA“1, und wie so oft in Köln wird´s eine schunkelig-schulterklopfende Veranstaltung. Letzteres aber finden einige aber so gar nicht legitim:

„Musste das sein, mal wieder eine Protestparty, nur weil ein paar unverbesserliche durch das Millionendorf am Rhein ziehen wollen?“ – Frank Überall im NDR Kommentar2

Ja, auf den unvermeidlichen Höhner3-Auftritt hätte ich auch gerne verzichtet. Und ja, der Kölsche an sich ist regelmässig schier beschwipst ob seiner/ihrer eigenen Toleranz.

Aber soll denn nun in sauertöpfischem Selbst-Hass/betroffener Lichterkettigkeit in der Kälte herumgestanden, oder besser noch: im warmen Zuhause geblieben werden, unter fadenscheiniger Protestverdunkelung, während Idiotie die Strassen flutet?

Nääää.

Der Stil des Protestes mag nicht jedem munden – aber deshalb ist er nicht weniger aufrichtig (und weniger Wert).

Ein bisschen mehr Toleranz für das Kölsche im kölschen Protest für mehr Toleranz, bitte.

Wenn´s am schönsten ist…

…sollte man dringend weiter machen.

Denn ob es bereits am schönsten war ist ja erst durch den Umstand festzustellen, daß es wieder bergab geht.

Vielleicht also:
Wenn's gerade eben sehr schön war und nun langsam etwas weniger schön wird, dann, aber auch erst dann: einfach selig nach Hause schlendern.

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