Cocoa Sugar

Die Young Fathers haben mit mittlerweile 3 Alben1 eine ganz eigene musikalische Nische besetzt: Mitternachts-Soul zu muskulösen Beats, Gospel aus dem Rave-Keller, düster, aber ekstatisch. „Cocoa Sugar“ hat alle diese Qualitäten, ist in seiner rauen Spontanität zwar nicht ganz so rund wie die Vorgänger, aber ach: es brodelt wieder so schön. Fantastisches Cover auch.

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  1. Meine Rezension von „Dead“ 

Last Exit Echo

Der Echo, das ist: Etwas kann noch so unappetitlich1, dumm, künstlerisch bankrott und moralisch fragwürdig sein — wenn es sich verkauft, muss es hofiert und öffentlich beklatscht werden.

Der Echo, das war. Gottseidank2.


  1. Ich schrieb bereits einmal über den Echo: Ich wollte über den Echo 2015 schreiben, aber mir kam ein Oonagh dazwischen – Onkel Floris endgültige Meinung 
  2. Für einen Hinweis, wie ein Musikpreis funktionieren kann: Siehe Die durch die Bank fantastischen Gewinner*innen des britischen Mercury Prize

2012-2017

Wie viele House-Platten braucht der Mensch? Eine Handvoll hand-gepickte tun jedem Haushalt gut, etwa diese hier, die Elektronik-Tausendsassa Nicolas Jaar1 unter dem Namen „Against all Logic“ veröffentlicht hat: Soul-samplige Tanzflur-Tauglichkeit mit genug Ideen und Abwechslung, so dass auch die Couch keine Ödnis reklamiert.

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  1. Dringend ans Herz gelegt seien hier Jaars vorherige, deutlich eklektischere Veröffentlichungen „space is only noise“ (2011) und „Sirens“ (2016) 

Komplexität

Ebow ist angetreten, um aufzuräumen. Mit Klischees über muslimische Frauen, mit dem Leitkultur-Bullshit, mit dem Kapitalismus, mit Asyl1. Dicke Bretter, aber die selbsternannte „Frida Kahlo der Strassen“ hat Feuer & Flow & und abwechslungsreiche, feine Beats zur Seite.

Das beste Deutschrap-Album 2017 ist ein feministisches.

Offizielle Webseite / Apple Music / Spotify


  1. Das Wort „Asyl“ im gleichnamigen Song klingt wie ein Hilferuf. Und wie eine Pegida-Sirene. Kunststück! 

Either/Or

„Either/Or“ ist ein Triumph der Lo-Fi-Indie-Produktion, das traurigschönstmögliche Singer-Songwriter-Album (und 2017 20 Jahre alt geworden1).

Kein Song auf diesem Album, der in seiner rauen, zarten Seligkeit nicht zum niederknien ist2. Keine Platte für eine einsame Insel, die Platte ist eine einsame Insel.


  1. Natürlich begleitet von einer Remaster-Deluxe-Edition, natürlich, die glücklicherweise nichts kaputt macht. 
  2. OK, „Rose Parade“ finde ich nur sehr, sehr gut. 

Wallflower

Wie leichtfüssig-organisch ein einziges Lied nacheinander durch die Stile Folk, Soul & Jazz tauchen kann, beweist „Eye To Eye“, das brillante Eröffnungsstück von Jordan Rakei´s „Wallflower“. Die folgenden Stücke bewegen sich meist in klarer abgesteckten Genre-Grenzen, aber das tut dem Genuss dieses extrem elegant arrangierten Albums kaum einen Abbruch.

“Wallflower“ auf Bandcamp kaufen / Jordan Rakei: Offizielle Website / Apple Music / Spotify

I tell a fly

Das zweite Album des britischen Pianisten und Sängers Benjamin Clementine ist eine frustrierende Erfahrung, und das ist Absicht:
Balladeske Schönheit wird, kaum etabliert, von Hörspiel-Schnipseln unterbrochen und mit Hilfe kontrastierender Rhythmen und Chöre versenkt – ein Musical auf der Titanic.