Dirty Computer

Janelle Monáe macht irgend wann mein Lieblingsalbum, voll mit schwelgerischem R´n´B wie „I like that“, feministischem Rap wie „Django Jane“, und vor allem: messerscharfem, Prince-Tribut-Funk wie „Make me feel“. „Dirty Computer“ versammelt all das, will aber für meinen Geschmack doch zu sehr Pop-Platte sein1. Eine gute, zwar. Aber, ach…

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  1. Allerdings nicht zu unterschätzen: Das harmlos tönende „Pynk“ etwa ist einer der sexuell explizitesten Songs auf der Platte. Tolle Pussy-Pants im Video auch. 

I´m All Ears

Es ist natürlich unfair, junge, selbstbestimmt1 erscheinende Pop-Künstlerinnen immer gleich mit Lorde zu vergleichen.

Hier muss das erlaubt sein, weil Stimme und Sensibilitäten sehr verwandt (und genau so formidabel) klingen. Wo das Duo mit dem bescheuerten Namen allerdings die Nasen vorne hat, ist der Format-sprengend-schillernde Musik-Kosmos2, aus dem hier geschöpft wird.

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  1. Im Sinne von: kein Reißbrett-Pop-Produkt. 
  2. Anspieltipp: Hot Pink 

Knock Knock

Vielleicht mein liebster Einstieg in eine Platte dieses Jahr: das schwelgerische „Club der Ewigkeiten“ ist eine ohrwurmige Brandung aus Geigen, Flöten und pluckernder Elektronik, und ein fantastischer Start in die neueste Veröffentlichung des Hamburger Elektronik-Exzentrikers DJ Koze. Wenige fertigen Tanzflur mit so viel Persönlichkeit und Witz, und „Knock Knock“ hat zusätzlich famose Gäste wie Sophia Kennedy, José Gonzales und Róisín Murphy an Bord. Ein großer Spass.

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Vertigo

Irgendwo zwischen James Blake und Bon Iver spielt das Debüt-Album des Jungen Iren. Also: Electronica, Falsett, RnB, Schrammen-Gitarren, Beats, Verletzlichkeit. Nicht immer ein erfolgreicher Mix, viele Stücke sind wenig mehr als ziellose Ideensammlung. Aber Stimme und Ambition ist vorhanden: da ist noch jede Menge Luft.

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This Is America

Der Musiker, Autor, Schauspieler und Comedian Donald Glover war gerade in Amerikas größter Comedy-Sendung „Saturday Night Life“ zu Gast, und ist demnächst als Lando Calrissian im neuen Star Wars-Streifen „Solo“ zu sehen — massenkompatibler geht nicht.

Fantastisch, dass er diese popkulturelle Steilvorlage für ein verstörend-brillantes neues Musikvideo nutzt.

Cocoa Sugar

Die Young Fathers haben mit mittlerweile 3 Alben1 eine ganz eigene musikalische Nische besetzt: Mitternachts-Soul zu muskulösen Beats, Gospel aus dem Rave-Keller, düster, aber ekstatisch. „Cocoa Sugar“ hat alle diese Qualitäten, ist in seiner rauen Spontanität zwar nicht ganz so rund wie die Vorgänger, aber ach: es brodelt wieder so schön. Fantastisches Cover auch.

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  1. Meine Rezension von „Dead“ 

Last Exit Echo

Der Echo, das ist: Etwas kann noch so unappetitlich1, dumm, künstlerisch bankrott und moralisch fragwürdig sein — wenn es sich verkauft, muss es hofiert und öffentlich beklatscht werden.

Der Echo, das war. Gottseidank2.


  1. Ich schrieb bereits einmal über den Echo: Ich wollte über den Echo 2015 schreiben, aber mir kam ein Oonagh dazwischen – Onkel Floris endgültige Meinung 
  2. Für einen Hinweis, wie ein Musikpreis funktionieren kann: Siehe Die durch die Bank fantastischen Gewinner*innen des britischen Mercury Prize

2012-2017

Wie viele House-Platten braucht der Mensch? Eine Handvoll hand-gepickte tun jedem Haushalt gut, etwa diese hier, die Elektronik-Tausendsassa Nicolas Jaar1 unter dem Namen „Against all Logic“ veröffentlicht hat: Soul-samplige Tanzflur-Tauglichkeit mit genug Ideen und Abwechslung, so dass auch die Couch keine Ödnis reklamiert.

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  1. Dringend ans Herz gelegt seien hier Jaars vorherige, deutlich eklektischere Veröffentlichungen „space is only noise“ (2011) und „Sirens“ (2016)