Word!

Abb.: Microsoft

Heuer verschickte ich, Florian Egermann, ein Word-Dokument, welches ich eigenhändig erstellt und mit Buchstaben befüllt hatte. Per Email!

Anschliessend war ich ein wenig stolz auf mich. Es fühlte sich an als hätte ich ein Grammophon repariert.

Ihr müsst wissen: Ich schreibe viel, wenn der Tag lang ist (und oft ist er das), ich schreibe für diesen Blog, WIKI-Seiten, Anträge, Kurzgeschichten, Lied-Texte, Konzepte, und jede Menge1 digitale Notizen.

Aber ich würde nie auf die Idee kommen, in Word zu schreiben oder als Word zu verschicken:

  • Alles, was in eine Email passt, schreibe und verschicke ich als Nur-Text2 Email.
  • Wenn es ein kollaborativer Text ist, also ein Entwurf an dem gemeinsam gearbeitet werden wird, dann schicke ich einen Link zu einem Google Doc3.
  • Etwas ist fertig? Dann hänge ich ein PDF an4.

Das Format kommuniziert den Status: Ich schreibe eine persönliche Nachricht (Email), ich stelle etwas zur Überarbeitung/Verbesserung (Google Doc), ich veröffentliche etwas, oder der Text ist fertig zur Veröffentlichung (PDF).

Word (per E-Mail-Anhang) ist ein bizarres Zwischending, und mir wurde beim Erstellen erst so richtig klar, wie Banane es5 ist.

Du siehst die E-Mail, du öffnest sie, du siehst ein Word-Dokument, du klickst das Word-Dokument an (mindestens doppelt), dein Word springt im Dock, weil Schriften fehlen, du klickst rüber zum Word, du klickst den Hinweis weg, du liest einen Text, du klickst rüber zum E-Mail-Programm, und antwortest, aber du willst auf einen Satz speziell antworten, also zurück zum Dokument…

Natürlich: Menschliche Kommunikation ist bunt, meine Mutter verschickt wunderbare Familien-Brief-Word-Dateien, weil sie sich mit Word wohl fühlt.

Und: ich bin ein verdammter Text-Editor-Snob. Wenn ich „für mich“ schreibe, schreibe ich in einem Programm das keine Schriftarten, Menüs und Seiten6 kennt7, mich also nicht ablenkt.

Ich liebe Text, Mensch kann aus einem Keller heraus eine Revolution anzetteln, alleine mit der richtigen Kombination aus einer Handvoll Zeichen.

Und ich finde er hat ein eleganteres Ge­fäß verdient als Word.


  1. Aktueller Stand, die schöne Zahl ist ungelogen: 1999 Notizen seit 2010. Viel dummes dabei, natürlich. 
  2. Also: ohne Formatierungen. 
  3. Oder Alternativen. 
  4. Denn damit kann ich sicher sein, dass es genau so wie gesetzt beim Empfänger ankommt. 
  5. Ich habe auch „Pages“ auf meinem Mac, aber das hat genau dieselben Probleme. 
  6. Seiten! Als würde ich drucken wollen. 
  7. Aktuell: Ulysses