Sei ein Faber im Wind

Ach, Faber. Für eine Hälfte deiner wunderbar rumpelig-orchestrierten1 Lieder möchte ich dir einen dicken Zustimmungs-Schmatzer auf die Stirn drücken. Aber während die zweite Hälfte läuft stehe ich peinlich berührt in der Ecke.

Kostprobe?

1992

Princess Nokia ist eine junge New Yorker Rapperin1, die den Satz „My little titties and my phat belly “ in einen feministischen Schlachtruf (und verdammten Ohrwurm) verwandelt hat. Die Beats ihres Debüt-Albums können da leider nicht immer mithalten: Musikalisch ist das teils direkt aus einem ausgeleierten Hip-Hop-Klischee-Setzkasten. Aber die Attitüde! Und das Talent!

Wenn´s Gerechtigkeit gibt, wird sie Star2.

It’s a guarantee that he won’t forget me / My body little, my soul is heavy

Download: „1992“ von Princess Nokia.


  1. Princess Nokia Is The Feminist Rapper You Should Know | Sound Off | Refinery29 – YouTube 
  2. Und hat ein ganzes Album voll mit tollen Produktionen wie „Tomboy“. 

Pleasure

Ein Lied der kanadischen Singer-Songwriterin Feist diente 2012 einmal als Soundtrack eines beschwingten Apple-MP3-Player-Werbespots1. Seitdem ist einige Zeit vergangen, MP3-Player sind verschwunden und Feist hat unbehelligt von weiteren Werbeverträgen einfach weiter tolle Platten gemacht.

Humanz

„Gorillaz“ sind ein Pop-Kuriosum. Eine Zeichentrick-Band groovt sich durch ihr postapokalyptisches Disneyland-Universum — das Konzept versprach eigentlich eher einmaligen experimentellem Eskapismus als musikalische Substanz. Aber dann produzierten „Tank Girl“ Schöpfer Jamie Hewlett und Blur-Mastermind Damon Albarn ein famoses Album1 nach dem anderen2.

Ganz so famos wie der Rest der Diskographie ist das nach längerer Pause entstandene „Humanz“ nun nicht, es ist eine kompetent produzierte, aber erstmals wenig einfallsreiche Bühne für Gast-Stars wie De La Soul, Benjamin Clementine, Vince Staples und Grace Jones3.

„Humanz“ sind vielleicht einfach einen Tick langweiliger.

Spotify / Apple Music


  1. Und famoses Video! 
  2. Das dröge „The Fall“ ist die unrühmliche Ausnahme. 
  3. Hell yeah! 

Rezension der Top-Kundenrezensionen zu Söhne Mannheims: „MannHeim“, 2017

Die Söhne Mannheims haben schon wieder eine Platte vollgespielt mit Hochglanz-Radio-Pop und religiösem Pathos. Aufregung herrscht rund um den Song „Marionetten“, der Demokratie-feindlichen Verschwörungs-Stuss beinhaltet. Das kann Mensch in der Presse nachlesen1, aber wer gibt dem von der Lügenpresse gebeutelten Amazon-Rezensions-Volk endlich eine Stimme? Onkel Flori natürlich. Eine Rezension der Rezensionen.

„Awaken, My Love!“

Multitalent Donald Glovers1 neues Album ist erstmals komplett frei von Rap und dafür von vorne bis hinten voll mit behutsam modernisiertem 70s Funk & Soul. Projekte wie diese enden ja oft genug als blutleere Zitatensammlung2 – aber Glover bringt genug Energie, Charakter und vor allem: den Willen mit, nicht nur in der Musikkiste zu wühlen, sondern sich kopfüber hinein zu stürzen.

Hören: Spotify / Apple Music


  1. Bekannt u.a. als Schauspieler aus der Serie „Community“. 
  2. Siehe etwa: das Gesamtwerk von Duffy. 

Room 29

Da haben sich zwei gefunden: Pop-Charakterköpfe Jarvis Cocker1 und Chilly Gonzales ergänzen sich in diesem minimalistisch-melancholischen Konzeptalbum über Einsamkeit und faden Glamour des Hotelzimmers wie erwartet wunderbar. Nicht vom Genre „Contemporary Classic“ abschrecken lassen. Es ist Pop. Feiner.

Apple Music / Spotify


  1. Ex-Frontmann der wunderbaren „Pulp“