Rezension der Top-Kundenrezensionen zu Söhne Mannheims: „MannHeim“, 2017

Die Söhne Mannheims haben schon wieder eine Platte vollgespielt mit Hochglanz-Radio-Pop und religiösem Pathos. Aufregung herrscht rund um den Song „Marionetten“, der Demokratie-feindlichen Verschwörungs-Stuss beinhaltet. Das kann Mensch in der Presse nachlesen1, aber wer gibt dem von der Lügenpresse gebeutelten Amazon-Rezensions-Volk endlich eine Stimme? Onkel Flori natürlich. Eine Rezension der Rezensionen.

„Awaken, My Love!“

Multitalent Donald Glovers1 neues Album ist erstmals komplett frei von Rap und dafür von vorne bis hinten voll mit behutsam modernisiertem 70s Funk & Soul. Projekte wie diese enden ja oft genug als blutleere Zitatensammlung2 – aber Glover bringt genug Energie, Charakter und vor allem: den Willen mit, nicht nur in der Musikkiste zu wühlen, sondern sich kopfüber hinein zu stürzen.

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  1. Bekannt u.a. als Schauspieler aus der Serie „Community“. 
  2. Siehe etwa: das Gesamtwerk von Duffy. 

Room 29

Da haben sich zwei gefunden: Pop-Charakterköpfe Jarvis Cocker1 und Chilly Gonzales ergänzen sich in diesem minimalistisch-melancholischen Konzeptalbum über Einsamkeit und faden Glamour des Hotelzimmers wie erwartet wunderbar. Nicht vom Genre „Contemporary Classic“ abschrecken lassen. Es ist Pop. Feiner.

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  1. Ex-Frontmann der wunderbaren „Pulp“ 

Magic Life

In der gut geölten Hipster-Pop-Fabrik hat sich ein wenig Leerlauf eingeschlichen — ganz so rund wie die unverschämte Hit-an-Hit Sammlung „Schick Schock“1 ist „Magic Life“ leider nicht.

Aber es gibt wieder Tolles zu entdecken: Etwa die ulkig/aufrichtige Frank-Ocean2-Homage „SweetLove“ oder der wunderbare Kitsch der Hedonisten-Hymne „sneakers4free“. Und spätestens wenn der Schiebe-Disco-Groove von „Bungalow“ erklingt, ist eh alles wieder Candy.


  1. Rezension: Schick Schock – Onkel Floris endgültige Meinung 
  2. Frank Ocean: „Blonde“, 2016 

How Music Works

David Byrne, der Chef-Denker der „Talking Heads“ schreibt ein Buch darüber wie Musik funktioniert? Oh ja, bitte!

Leider ist der Erkenntnisgewinn sehr begrenzt, denn Byrne gefällt sich viel zu zu sehr darin, seine Biografie und (fraglos bahnbrechenden Projekte) auszubreiten, als Erhellendes zur Funktionsweise von Musik zu formulieren.

Für Fans.

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Dirty Projectors

Der experimentelle R´n´B-Pop der „Dirty Projectors“ war noch nie wirklich leichte Kost, mit plötzlichen instrumentalen Brüchen und hyper-aktiven Gesangslinien, die sich lustvoll empor schwingen und abrupt abstürzen.

Mit „Dirty Projectors“ sind die „Dirty Projectors“1 nun von Band zu einem Solo-Projekt geschrumpft, was glücklicherweise nicht bedeutet, dass es weniger weird zugeht: immer noch tolle Songs wie das treibende „Death Spiral“ oder der rührende Swan-Song „Little Bubble“, immer noch Eklektizismus hart an der Grenze zur Effekthascherei. Aber eben hart an der Grenze.

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  1. Ich schreibe den Bandnamen so oft, weil er fantastisch ist! 

RTJ3

Schwere Zeiten sind verdammt gute Zeiten für wütenden Hip Hop – kapitalismus-kritische Sozialstudien einer Kate Tempest 1, die genre-sprengende, reflektiert-agitative Brillanz von Kendrick Lamar2, und, hier: das Rap-Duo Run the Jewels, das seit 2013 unter dem Banner „SOZIALISMUS3! GERECHTIGKEIT! PUSSY!“ unbeirrt durch die Hip Hop-Welt marschiert.

Run the Jewels 3, kurz: RTJ3 ist die beste Platte eines sehr guten Projektes.


  1. Kate Tempest: „Let them Eat Chaos“, 2016. Rezension 
  2. Kendrick Lamar: „To Pimp A Butterfly“, 2015. Rezension 
  3. Killer Mike: Talking Shop w/ Bernie Sanders – youtube