Das „Zentrum für politische Schönheit“ vergaloppiert sich in Bernd Höckes Vorgarten

Abbildung: Zentrum für politische Schönheit

Bernd Höcke1 ist unerträglicher Rassist, der von „lebensbejahendem afrikanischen Ausbreitungstyp“2 und einem „Denkmal der Schande“3 faselt — in seiner Partei AfD aber immer noch willkommen ist.

In letzter Zeit wurde es etwas ruhiger um den braunen Schaum vorm Mund aus Thüringen, aber das ändert sich nun schlagartig durch „Deine Stele“, ein Projekt der Aktionskunst-Truppe „Zentrum für politische Schönheit“, die ihm ein Crowdfunding-Holocaust-Mahnmal4 auf das Nachbargrundstück stellen wollen. Und ihn unter Hobby-Überwachung stellen. _Und ihn in einem Satz mit Willi Brandt nennen._5

Ich schätze den symbolträchtig-aggressiven Aktivismus des „Zentrum für politische Schönheit“ sehr, umso ärgerlicher ist diese Aktion:

Bernd Höcke ist nicht das Problem.6 Das Problem sind Menschen, Strukturen und Aktionen die ihn groß machen, im Positiven wie im Negativen.7


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Björn_Höcke#Namensverwechslung_Bernd_H.C3.B6cke 
  2. AfD-Landeschef Björn Höcke und die Afrikaner – Politik – Süddeutsche.de 
  3. Er meint das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Kommentar zu AfD in Dresden: Björn Höcke gibt den Nazi | FR.de 
  4. Eine Wortkombination, die ich so nie zu schreiben erwartete. 
  5. „Wenn er vor dem Denkmal aufs Knie fällt wie einst Willi Brandt“ – ZPS Video „Deine Stele“ 
  6. Rassisten müssen und können ausgegrenzt werden. 
  7. Das jetzt zum aktuellen Stand. Ich hoffe sehr, dass die Stelen nur die erste Phase der Kampagne darstellen und entscheidende (Höcke-freie) Komponenten noch dazu kommen. 

Angstraum/Freiraum: Der Kölner Ebertplatz

„Fluids“, Werk des Autors im Rahmen von „Local-Non-Off-Line“, Ebertplatz, 2014

Der Ebertplatz ist scheußlich und wunderbar: Scheußlich dank fieser, angeschmuddelter Architektur, wunderbar, da genau dieser Um- und Zustand eine (in Köln) einzigartige (Sub-)Kultur-Landschaft ermöglicht: Die Off-Spaces1 BRUCH & DALLAS ,  GOLD + BETON, Tiefgarage & der Kunstraum Labor ziehen zu gemeinsamen Eröffnungen regelmässig hunderte Menschen an.

Open Power

"Open Power – Socket 3" - (C) Andrey Ustinov
„Open Power – Socket 3“ – (C) Andrey Ustinov

„Open Power“ sind Markierungen im Stadtraum, 100 frei zugängliche Steckdosen im öffentlichen Raum, die der Kölner Künstler Andrey Ustinov über den Zeitraum von einem Jahr gesammelt und dokumentiert hat.

Es ist eines der seltenen Projekte, in dem sehr unterschiedliche Aspekte und Zugänge vereint werden, ohne dass die Teilstücke in Konkurrenz zueinander treten:

Die wunderbare Photo-Serie ist stringente, minimale Medienkunst, die Karte ist „Service“ für unsere strom-abhängige Handy-Gesellschaft, und die Geschichte des Projekts: Eine Einladung zur bewussteren Auseinandersetzung mit dem Stadtraum.

"Open Power" Website Openpower.cologne - (C) Andrey Ustinov
„Open Power“ Website Openpower.cologne – (C) Andrey Ustinov

Projekt-Website
Andreyustinov.com

Eröffnung 6.5.2016, 20:00, Kennedy-Ufer Köln – Facebook-Veranstaltung

Die Idealmaschine: 25 Jahre Photoshop

Pickel entfernen ist gut, Ex-Lover raus-retuschieren ist besser.

Was wir der Werbung vorwerfen, betreiben wir doch selbst so gerne: idealisierte Abbilder schaffen, die wir wider besseres Wissen immer noch „Fotos“ nennen.

Photoshop und seine smartphonigen Enkel haben den Prozess nur demokratisiert1, uns die Pinsel in die gedrückt, und oh, wir pinseln und filtern und beschneiden uns auf’s Selbstverständlichste.

Photoshop hat wie keine andere Software unser Bild vom Bild geprägt2:
Es ist, alles ist: gephotoshoppt3.

Wenn jemals so etwas wie die Unschuld des Bildes existiert hat4, dann hat Photoshop sie erobert, entjungfert und sitzengelassen. Und prahlt damit. Seit 25 Jahren.


  1. FourAndSix: „Photo Tampering throughout History“ 
  2. Bezeichnend, wie sensationell dezidiert nicht-bearbeitete Kampagnen auftreten und wirken: Stern.de, „So sieht Cindy Crawford ohne Photoshop aus“ 
  3. Und es gibt keinen Gegenbeweis. 
  4. Natürlich: Nein. 

Blu-äugig: Diese Kunst zerstört sich selbst

Photo via nerdcore.de
Photo via nerdcore.de

Kapitulation, Notbremse oder souveräne Geste der endgültigen Verhüllung? Street-Art-Künstler Blu liess gestern sein großformatiges Graffiti an der Cuvrybranche in Berlin schwarz übermalen, da Luxus-Appartments mit Ausblick auf das Werk geplant sind – vom Leuchtturm alternativer Kultur zur hippen Deko für Investment-Banker. Der neue Meeresblick, vielleicht.

Stellt sich die Frage: Wie weit reicht in Zeiten galoppierender Gentrifizierung die Verantwortung der Künstler? Im öffentlichen Raum zu arbeiten, ohne eine Exit-Strategie parat zu haben ist blauäugiges Gepinsel.

Aber es braucht noch mehr: einen integrierten Selbstzerstörungsmechanismus, im Idealfall: Nicht nur über eine Lunte verfügen, sondern Lunte sein.

Kunst, die sich nicht gehetzt in Nacht und Nebel der Konservierung und musealen Vereinnahmnung entzieht, sondern von Anfang an laut und deutlich tickt.

Work Relation

„The resulting performance conjures the ethos of adidas and the spirit of collaboration inherent to a global competition like the 2014 FIFA World Cup™ in Brazil.“

Die Marke MARINA ABRAMOVIĆ wird immer präsenter, von der Künstlerin ist immer weniger zu sehen.

A President’s Personal Diplomacy

Der amerikanische Performance-Künstler George Walker Bush, international bekannt geworden durch seine Rolle als “George W. Bush”, 43. Präsident der Vereinigten Staaten, hat einen neuen Coup gelandet: “The Art of Leadership: A President’s Personal Diplomacy” ist eine Reihe Portraits von Staatsoberhäuptern, die nun erstmals im Rahmen einer Ausstellung gezeigt wurden.

Onkel Flori meint: “Bad Painting1 at it´s best”